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Interview mit I.D. Fürstin
Marie von und zu Liechtenstein


Vaduz

Interview mit I.D. Fürstin <br> Marie von und zu Liechtenstein

Mit Ihrer Durchlaucht Fürstin
Marie von und zu Liechtenstein
sprach Walter-Bruno Wohlwend

Mit Regierungsbeschluss vom 5. August 1940 - in einer für unser Land schwierigen und existenzbedrohenden Zeit - wurde von der Regierung der 15. August offiziell zum Staatsfeiertag erklärt. Das Datum wurde nicht zufällig gewählt. Der 15. August ist für die katholische Welt ein hoher Marienfeiertag und fiel auf den Vorabend des Geburtstages von Fürst Franz Josef II., der damals 43 Jahre jung war und als erster Regierender Fürst seinen ständigen Wohnsitz nach Liechtenstein verlegte und somit Vaduz zu seiner Residenz erhob. Die Medien unseres Landes nehmen den 15. August seither jeweils zum Anlass für Leitartikel und Interviews über unser Staatswesen und seine Zukunft.

In jüngerer Zeit ist es fast ein Ritual geworden, dass auf diesen Tag hin grosse Interviews entweder mit Landesfürst Hans-Adam oder Erbprinz Alois veröffentlicht werden. «exclusiv» ging bewusst einen anderen Weg und ersuchte Landesfürstin Marie um ein Gespräch zum Staatsfeiertag 2008. Wir danken I.D. der Fürstin, die uns dieses Interview trotz der ihr eigenen  Bescheidenheit und Zurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit gewährt hat.

exclusiv: Seit Ihrer Vermählung mit dem heutigen Landesfürsten im Jahre 1967 begehen Sie mit uns allen den 15. August als Staatsfeiertag. Was bedeutet dieser Tag für Sie persönlich?

I.D. Fürstin Marie: Der 15. August ist ein hoher Feiertag «Maria Himmelfahrt» für Katholiken in aller Welt. Er erinnert uns jeweils daran, dass wir dank glück-licher Schicksalsfügung alle Kriegswirren des vergangenen Jahrhunderts praktisch unversehrt überstanden haben. Er unterstreicht auch die enge Verbundenheit zwischen Volk und Fürstenhaus. Der 15. August wurde vor bald 70 Jahren ja nicht zufällig zum Staatsfeiertag erklärt.

Mit dem Beschluss, den 15. August auch nach dem Tode seines Vaters als Datum des Staatsfeiertages beizubehalten, hat mein Mann nicht nur seiner Wertschätzung und Hochachtung für seinen Vater, Fürst Franz Josef II., Ausdruck gegeben. Er wollte damit beweisen, dass ihm die Pflege der Eigenstaatlichkeit und der Tradition in guten wie in schlechten  Zeiten wichtig ist. Fürst Hans-Adam war es, der den schönen Brauch eingeführt hat, dass nach der Messe zum Staatsfeiertag und dem offiziellen Staatsakt  die gesamte Bevölkerung zu einem Frühschoppen auf der Schlosswiese eingeladen ist.

Ich freue mich jedes Jahr auf diesen Anlass. Denn bei keiner anderen Gelegenheit treffe ich so viele Menschen, die ich oft das ganze Jahr über kaum sehen und sprechen kann. Auch der zur Tradition gewordene Rundgang durch das Volksfest geht in diese Richtung. Selten wird die Verbundenheit von Volk und Fürstenhaus spürbarer. Im Volksmund wird der Staatsfeiertag nicht selten auch als «Fürstenfest» bezeichnet.

exclusiv: In den letzten 40 Jahren
hat unser Land eine Entwicklung
ohne Beispiel durchgemacht.
Die Bevölkerungszahl ist dabei
sich zu verdoppeln. Auch die meisten
anderen statistischen Werte zeugen von zunehmendem Wohlstand. Einzig die Zahl der Neugeborenen hat seit einigen Jahren einen Knick erhalten und verzeichnet
einen ständigen Rückgang…

I.D. Fürstin Marie: Ich denke, dass wir uns da leider in Gesellschaft mit den meisten Industriestaaten Europas befinden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer davon ist sicher die Emanzipation der Frauen, die heute vielfach in den Wirtschaftsprozess eingebunden sind und sich nicht mehr nur als Mütter und Hausfrauen verstehen. Ich würde mir wünschen, dass wir Christen wieder vermehrt zu Kindern ja sagen und diesen Liebe und Geborgenheit schenken.

exclusiv: ...und  uns dadurch längerfristig die Zuwanderer aus anderen
Kulturkreisen und mit anderen
Religionen dominieren werden?

I.D. Fürstin Marie: Wenn dem so wäre, müssten wir es auch zur Kenntnis nehmen. Ich denke, dass wir allen Menschen, egal aus welchem Kulturkreis sie stammen und welcher Hautfarbe sie sind, mit Respekt und Liebe begegnen müssen. Und dass in diesen Bevölkerungskreisen die Familie heute noch eine bedeutendere Rolle spielt als bei uns, müssen wir respektieren. Ich hatte das Glück in einer grossen Familie aufzuwachsen und in eine grosse Familie einzuheiraten. Auch wenn ich  in meiner Kindheit und Jugend alles eher als Wohlstand kannte, erinnere ich mich immer mit grosser Freude an jene Zeiten. Gerade in Zeiten der Entbehrung ist die Familie häufig der wichtigste Hort der Zuflucht und Geborgenheit.

Foto: Schloss Vaduz/Roland Korner ©