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Interview mit I.D. Fürstin
Marie von und zu Liechtenstein

Vaduz

Interview mit I.D. Fürstin
Marie von und zu Liechtenstein

exclusiv: Sie entstammen einer sehr
religiösen Familie und sind als
sehr gläubige und praktizierende
Katholikin bekannt. Wie beurteilen Sie
aus dieser Sicht die vom Landesfürsten eingeleitete Initiative zur Trennung
von Kirche und Staat, die inzwischen
ja in Gang gekommen ist?

I.D.Fürstin Marie: Es wird Sie überraschen, dass ich diese Initiative des Fürsten in jeder Hinsicht unterstütze. Wenn eine Religionsgemeinschaft als «Landeskirche» weitgehend vom Staat, also von der öffentlichen Hand finanziert und getragen wird, droht sie m. E. den wünschenswerten und notwendigen Kontakt zu den Menschen zu verlieren. Tatsache ist, dass es in unserem Lande immer weniger wirklich praktizierende Katholiken gibt. Ich beziehe meine diesbezügliche Kritik nicht auf bestimmte Personen, sondern auf die Situation, in die sich eine «Staatskirche» begeben kann.

Bei uns sind die Kirchen oft nicht einmal zu einem Drittel besetzt. Gehen sie in ärmere Länder - z. B. auf dem Balkan oder in Osteuropa, dort sind die Kirchen noch voll. Aber auch im reichen Amerika sind die Kirchen viel besuchter als wie in Westeuropa, und die Beziehungen der Geistlichkeit zum Kirchenvolk sind noch intensiver als bei uns.
Die Kirche sollte von unten, vom Volk getragen werden, nicht von den Behörden.

exclusiv: Gab es in Ihrer Zeit
als Landesfürstin auch Perioden
oder Tage, in denen Sie sich weniger glücklich und zufrieden fühlten als heute?

I.D. Fürstin Marie: Perioden nein, Tage schon. Ich denke da häufig an den 28. Oktober 1992, als es um die Volksabstimmung zur Mitwirkung Liechtensteins im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ging. Der Landesfürst, der diesen Beitritt mit grossem Engagement und mit Überzeugung befürwortete und förderte, sah sich streckenweise grossem Widerstand ausgesetzt, der in einer von gewissen Kreisen inszenierten Grossdemonstration vor dem Regierungsgebäude gipfelte. Als der Fürst, völlig auf sich allein gestellt, mutig durch die Menge ins Regierungsgebäude schritt, war er teils hässlichen Beschimpfungen ausgesetzt. In diesen Tagen hatten wir in unserer Familie alle grosse Angst. Ich selbst, unsere Kinder und die Geschwister befürchteten, dass Fürst Hans-Adam Gewalt angetan werden könnte. Das war wohl einer der schlimmsten Tage, die ich als Fürstin erlebt habe. Heute   sind alle froh, dass wir dem EWR angehören. Leider wird dies selten erwähnt, dass diese Initiative primär meinem Mann zu verdanken ist.

exclusiv: Inzwischen hat der Landesfürst den Erbprinzen zu seinem Stellvertreter ernannt. Was hat sich dadurch für Sie und den Fürsten geändert?

I.D. Fürstin Marie: Eigentlich nicht allzu viel. Ich habe nach wie vor viel zu tun. Wir erhalten tagtäglich Anfragen um Hilfe vom Fürstenhaus, die ich abkläre, und ich bin weiterhin Präsidentin des Liechtensteinischen Roten Kreuzes. Dann erfüllt mich die Tatsache, dass ich inzwischen dreizehnfache (!) Grossmutter bin, mit grosser Freude. Ich geniesse das Leben mit meinen Kindern und ihren Kindern und danke Gott, dass ich ein harmonisches Familienleben führen darf.

Der Landesfürst kann sich seit der Stellvertretung an den Erbprinzen vermehrt um das Familienvermögen kümmern und damit die materielle Unabhängigkeit des Fürstenhauses weiter festigen: Ein Umstand, der sowohl für das Fürstenhaus als auch für das Land von Vorteil ist.

Unabhängig davon führt der Landesfürst die familiäre Tradition fort, die schon sein Vater gepflegt hat. Zwischen ihm und dem Erbprinzen werden regelmässig aktuelle Fragen und Probleme der Landespolitik und der Familie diskutiert. Die Kontinuität des Fürstenhauses ist also auch auf diesem Gebiet auf viele weitere Jahre hinaus gesichert.

exclusiv: Was wünschen Sie uns allen zum Staatsfeiertag 2008?

I.D. Fürstin Marie: Zufriedenheit, Glück und Gottes Segen. Toleranz gegenüber dem anderen, Humor und die Gabe, dass man bisweilen auch über sich  selbst lachen darf.

exclusiv: Danke für dieses Gespräch.

Text: Walter-Bruno Wohlwend, Fotos: © exclusiv