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«Blut und Tränen»

 

 

Liechtenstein

«Blut und Tränen»


Landtagseröffnung 2009 im Zeichen der Krise.

Der Mittwoch, 18. März 2009 wird in die politische Geschichte Liechtensteins eingehen. Nach den Neuwahlen im Februar trat der Landtag, die Volksvertretung mit ihren 25 Mitgliedern, zur ersten Sitzung zusammen. Und weil Liechtenstein eine Monarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage ist, steht bei Parlamentseröffnungen das erste Wort dem Staatsoberhaupt zu. Im aktuellen Falle also Seiner Durchlaucht Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein.

Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Mitglieder des Fürstenhauses Liechtenstein sich traditioneller Weise einer salonfähigeren Sprache bedienen als bestimmte deutsche Politiker, liess Erbprinz Alois anlässlich der Landtagseröffnung keine Zweifel darüber aufkommen, dass die sieben fetten Jahre auch für Liechtenstein vorderhand vorbei sind («Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist von einem Ausmass, wie es zuvor nur die Ältesten in unserem Lande erlebt haben»). Wenn auch nicht wörtlich nachzuvollziehen, erinnerten Aussagen des amtierenden Staatsoberhauptes streckenweise an eine andere, berühmte Rede, die Geschichte gemacht hat. Es ist die Rede von Winston Churchill, die er am 13. Mai 1940 vor dem britischen Unterhaus hielt und die unter dem Titel «Blut, Schweiss und Tränen»-Rede in die Geschichte eingegangen ist
(«I have nothing to offer exept for blood, toil, tears and sweat»).
Die «Ältesten im Lande», die sich noch an Zeiten erinnern, da Liechtenstein meilenweit vom heutigen Wohlstand entfernt war, leben mit ganz wenigen Ausnahmen nicht mehr. Erbprinz Alois zitierte sie in seiner Thronrede nicht zufällig. Denn in der Tat sieht sich die Politik der nächsten Jahre Herausforderungen gegenübergestellt, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr kannten. Anstelle der unsäglichen Lizitationspolitik, die unsere Politik der letzten Jahre prägte und darin bestand, dass jede Partei sich damit profilierte, dass sie bei Vorschlägen der Gegenpartei (z.B. im sozialen Bereich, bei öffentlichen Bauten usw.) jeweils noch ein paar Prozente mehr forderte, wird nun zwangsläufig eine Rückbesinnung auf das Machbare folgen müssen. Die Thronrede des Erbprinzen endete mit dem Wunsch, «Liechtenstein zum bestorganisierten und bestregulierten Staat zu machen». Der Weg dahin wird steinig sein
und in vielen Dingen ein Umdenken erfordern, an das wir uns alle zuerst einmal gewöhnen müssen.

text: Walter-Bruno Wohlwend, fotos: © exclusiv