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Ist der Mensch wirklich gut?

Hochschule Liechtenstein

Ist der Mensch wirklich gut?

Das Thema ist brandaktuell, in einer Zeit, in der die Ellbogentaktik das Sagen hat. Prof. Dr. Antoinette Weibel fragte an der Kinder-Uni die Jungstudenten, ob sie sich auch schon mal als ungerecht behandelt fühlten. Ein Grossteil der Kinder bejahte die Frage.

Über 120 Kinder widmeten sich während der Kinder-Uni dem Thema: Wie gut ist eigentlich der Mensch?

Prof. Dr. Antoinette Weibel, Dozentin an der universitären Hochschule Liechtenstein, versuchte anhand verschiedener Beispiele dieser Frage auf den Grund zu gehen. Antworten auf diese knifflige Frage hatten auch die Jungstudenten. Für den einen Jungen ist der Löwe gerecht, weil er seine Familie schützt, für ein Mädchen gehören die Pinguine zu den gerechten, weil sie ihre Jungen mit Fischen füttern. Die Tierwelt hat viele Beispiele, welche die Gerechtigkeit veranschaulicht wie das Beispiel der Vampirfledermaus zeigt. Die Fledermaus gibt von ihrer Beute an jene Tiere ab, welche in der Jagd erfolglos waren. «In der Wissenschaft nennt sich dies direkte Gegenseitigkeit», erklärt die Dozentin. Dieses Verhalten ist auch unter den Menschen gang und gäbe. Wir teilen in der Hoffnung manchmal auch etwas retour zu bekommen.

Ungerecht verteilt

Anhand dreier Beispiele zeigte Antoinette Weibel wie die Ungerechtigkeit auf der Welt verteilt ist. Da war die Familie Wohlhabend. Sie konnten sich alles leisten. Auch die Familie Kleingeld war vertreten. Das Geld war knapp, die Kinder konnten nicht immer zur Schule, weil sie auf dem elterlichen Bauernhof mit anpacken mussten. Schlimm getroffen hat es die Familie Manila. Sie war arm, die Eltern hatten keine Arbeit und die Schule war ein Fremdwort. «Ich finde es als ungerecht, dass überall auf der Welt viele junge Menschen niemals die Chance erhalten, sich durch Fleiss und Talent ein besseres Leben zu erarbeiten», unterstreicht Antoinette Weibel.

Die Ungerechtigkeit lässt sich auch spielerisch veranschaulichen. «Bürgermeister und Dorftrottel» hiess das Experiment  von Andrea Mündle, Spielpädagogin aus Mauren. Wer bei diesem einfachen Spiel nur einen kleinen Fehler machte musste sich auf den Stuhl des Dorftrottels setzen. Bei der anschliessenden Diskussion im Plenum waren sich die Kinder einig, dass das Spiel ungerecht war.
Den Jungstudenten ist an diesem Nach-mittag bewusst geworden, dass auch ihr Handeln gefragt ist, damit die Welt ein wenig gerechter und liebenswerter wird.

Die nächste Kinder-Uni zum Thema «Die Welt von morgen - Wie leben wir im Jahre 2029?» mit Prof. Dr. Stefan Güldenberg findet statt am Mittwoch, den 9. Dezember, von 14 bis 15.15 Uhr. Anmeldung bis am 4. Dezember unter info@kinder-uni.li.                                 

Infos unter: www.kinder-uni.li.
Die Kinder-Uni ist eine Veranstaltung
der Hochschule Liechtenstein

Umfrage Kinder-Uni


Selina, Ruggell

«Eigentlich teile ich nicht so gerne. Mein Bruder Marco teilt viel mehr mit mir als ich mit ihm. Aber jetzt nach der Vorlesung habe ich schon das Gefühl, dass ich mehr teilen muss. Der armen Familie aus Manila, welche die Dozentin im Dia gezeigt hat, könnte ich 10 Franken schicken, ist besser als nichts. Gerecht sein heisst, dass man auch beim Spielen gerecht ist.»

Tim, Mauren

«Ich habe schon das Gefühl gerecht zu sein. So habe ich von der Schokolade, welche einige Kinder am Anfang der Kinder-Uni bekommen haben, einen Teil abgegeben. Beeindruckt hat mich das Spiel «Bürgermeister und Dorftrottel». Es war zwar lustig, hatte aber trotzdem etwas mit der Realität zu tun. Nach diesem Nach-mittag werde ich vermehrt darauf achten, dass ich fair bin.»

Natascha, Ruggell
«Mit meinem Bruder teile ich hin und wieder eine Schokolade. Ich teile, weil ich ihn mag. Heute Nach-mittag ist mir bewusst geworden, was gerecht ist und was weniger. In unserer Schule  führten wir mal ein Musical auf. Mit den Einnahmen unterstützten wir arme Menschen in Afrika. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass dadurch auch andere Menschen glücklich sind.»

Antonio, Mauren
«Wenn ich Taschengeld bekomme, kaufe ich in der Schulpause manchmal auch was für andere Kinder. Insgesamt könnte man zueinander netter und gerechter sein. Ungerecht ist, wenn Kinder andere Kinder nicht mitspielen lassen. Ungerecht sind auch Kriege, weil Menschen sterben.»

fotos: © sven beham