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Interview

Das Team von exclusiv dankt Herrn Peterson da Cruz Hora und Herrn Christoph Hämmerle ganz herzlich für das Interview.
«Zurcaroh» es geht um Nächstenliebe, Freundschaft und Vertrauen

Peterson da Cruz Hora ist der Leiter, Trainer, Choreograf und Gründer der Amateur Akrobatik- und Tanz- gruppe Zurcaroh, Christoph Hämmerle ist mit 41 Jahren das älteste Mitglied der Truppe und gehört zum Organisationsteam.
Ihr spektakulärer Tanz mit Akrobatik hat der Gruppe schon etliche Auszeichnungen eingebracht (2013: «Gym for Life World Challenge», Kapstadt; 2015: Welt-Gymnae- strada, Helsinki; 2017: Talentshow «Incro- yable Talent», Frankreich). Nun haben sie in der bekannten US TV-Show «America's got Talent» den zweiten Platz geholt, und mit ihrem fulminanten Auftritt und der wunderbaren Gratulations-Geste dem Gewinner, Magier Shin Lim, gegenüber die Herzen der ganzen Welt erobert.

Herr Peterson da Cruz Hora, Sie haben die Gruppe Zurcaroh gegründet und sind auch für die Choreografie zuständig. Können Sie uns einen Einblick zu den Anfängen geben?
2007 habe ich die Gruppe Zurcaroh in Brasilien gegründet. Mit dieser Gruppe nahm ich im selben Jahr an der Weltgymnaestrada in Dornbirn teil. Nach der Gymnaestrada habe ich mich dann in Vorarlberg niedergelassen und 2009 Zurcaroh in Vorarlberg gegründet. Viele der jetzigen erwachsenen Tänzerinnen und Akrobaten waren damals noch Kinder.

Welche Bedeutung hat der Name «Zurcaroh»?
Mein Name ist Peterson da Cruz Hora. Wenn man Cruz und Hora rückwärts liest entsteht das Kunstwort Zurcaroh.

Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen? Entsteht zuerst eine Geschichte oder sind es Begegnungen, die Ihre Choreografie zum Leben erwecken?
Sowohl als auch. Mit den Choreografien erzählen wir Geschichten und senden Botschaften. Bei «America's got Talent» haben wir unter anderem Geschichten aus der Bibel erzählt, aber auch ein Zeichen für Toleranz und Freundschaft und gegen Rassismus gesetzt. Viel Inspiration bekomme ich auch auf meinen Reisen.

Wie findet die berührende Musik zur Choreografie?
Das Suchen und Finden der richtigen Musik ist sehr schwer und oft ein mühsamer Prozess. Ich habe zum einen die Bewegungen im Kopf und suche dann die Musik, zum anderen höre ich Musik und sehe dann die Bewegungen vor mir.

Welche kreativen Köpfe lassen die tollen Kostüme entstehen?
Die Kostüme werden fast ausschliesslich von Peterson entworfen. Oftmals bastelt dann die ganze Gruppe noch stundenlang an Details. Die Kronen für unsere Halbfinalshow in Los Angeles entstanden zum Beispiel erst zwei Tage vor der Show in Gruppenarbeit.

Wer begleitet Sie und Ihre Gruppe auf Ihren Reisen? (Eltern, Physioteam, Übersetzer etc.)
Unser BegleiterInnen-Team setzt sich eigentlich nur aus Eltern zusammen. Wir haben das Glück, dass eine Mutter Ärztin ist und Johannes aus der Gruppe Physiotherapeut. Übersetzer haben wir bis jetzt noch nie gebraucht.
 
Wie bewältigen Sie die Herausforderungen, die alleine die Altersunterschiede in Ihrer Gruppe mit sich bringen? 
Die Gruppe ist wie eine grosse Familie. Die Mitglieder sind unglaublich achtsam und vor allem die Grossen schauen auf die Kleinen.

Wieviel Talent und Fleiss wird benötigt, um eine solche unglaubliche Leistung zu erbringen?
Bei Zurcaroh wird jeder seinen individuellen Fähigkeiten nach eingesetzt. Ein spezielles Talent für unsere Gruppe benötigt keiner. Sie können sich vorstellen, dass hinter unseren Shows sehr viel Fleiss steckt. Neben Arbeit oder Schule ist es oft sehr anstrengend am Abend noch die zahlreichen Trainingseinheiten zu besuchen. Vor wirklich grossen Auftritten trainieren wir täglich.

Wie gross ist der zeitliche Aufwand, einen solchen Show-Act einzustudieren?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben fünf Monate am Viertel- und Halbfinale von «America's got Talent» gearbeitet. Für die Finalshow hatten wir aber nur eine Woche Zeit und waren sehr müde, da wir nach dem Halbfinale wieder nach Europa geflogen sind.

Welche Aufnahmekriterien muss ein Athlet erfüllen, um bei Zurcaroh dabei zu sein?
Sie oder er muss in erster Linie absolut teamfähig sein und Zeit und Disziplin mitbringen.

Erzählen Sie uns, wie Sie das Finale erlebt haben?
Vor dem Finale waren wir alle eigentlich sehr ruhig. Um das zu verstehen muss man wissen, dass es unser Ziel war, einen guten Auftritt bei «America's got Talent» zu zeigen, der dann auch im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wird.
Schon mit dem Erreichen des Viertelfinales wurden unsere Erwartungen übertroffen. Jede Liveshow war eine Draufgabe. Ich (Christoph) habe das Finale einfach genossen. Wir alle hatten Spass auf der Bühne. Während eines Auftritts kann ich die Dynamik im Team spüren. Ich gerate dann in einen Flow-Zustand. Diese Art Rausch beschrieben auch andere Zurcaroh Mitglieder.

Seit dem grossen Erfolg bei «America's got Talent» dreht sich die Welt wahrscheinlich ein bisschen schneller. Wie erleben Sie die Tage?
Die Tage nach «America's got Talent» waren sehr schön, aber auch anstrengend. Wir bearbeiten täglich Anfragen aus der ganzen Welt und beantworten Fanpost und Nachrichten über die sozialen Netzwerke.

Was sind Ihre Wünsche, Hoffnungen, Träume für die Zukunft?
Unser grösster Wunsch ist es, mit unserem Erfolg den Ärmsten der Armen weltweit helfen zu können. Wir unterstützen gerade eine Akrobatikgruppe in den Slums von Kampala, der Hauptstadt von Uganda und wollen im kommenden Jahr selbst eine Akrobatikgruppe in den Favelas rund um Sao Paulo gründen, um Kinder und Jugendliche von der Kriminalität fernzuhalten und ihnen auch eine schulische Ausbildung zu ermöglichen.

Gibt es schon konkrete Engagement über die Sie berichten können?
Es gibt ganz viele Anfragen und auch schon Engagements, wir dürfen aber leider noch nichts bekanntgeben.

Die wunderbare Gratulations-Geste dem Gewinner Shin Lim gegenüber zeigt ein besonderes Gemeinschaftsgefühl. Wie entsteht eine solche Teamstärke?
Shin ist ein sensationeller Magier und ein grossartiger Mensch. Er hat sich den Sieg verdient. Wir freuen uns immer noch unglaublich für ihn. Bei Zurcaroh haben Neid und Missgunst keinen Platz. Wir hätten uns für jeden der anderen Kandidaten sehr gefreut.

Gibt es aus der Zeit in den USA eine besondere Anekdote, die Sie uns erzählen können?
Einen der schönsten Momente hatten wir abseits der Kamera. Im Halbfinale war mit uns der Kinderchor «Voices of Hope». Die Kinder sind leider im Halbfinale ausgeschieden und haben sehr geweint. Ihr grösster Wunsch war es, mit uns noch Fotos nach der Show zu machen. Wir sind dann zu ihnen und haben ihnen die Kronen unserer Neu Jerusalem Choreografie geschenkt. Unsere Kronen haben in Windeseile ihre Tränen getrocknet. Das war ein wirklich besonderer Moment für uns.

Der Film «The Refuge» beinhaltet eine wunderbare Message. Ist diese Message ihr täglicher Ansporn und warum?
Unser täglicher Ansporn ist es sicher Botschaften zu versenden und die Welt im Kleinen zu verändern. Vor allem durch unsere Sozialprojekte soll Zurcaroh in Zukunft für viele Kinder eine Zuflucht sein.

Ein Hilfsprojekt steht auch auf Ihrer Zukunftswunschliste. Was können Sie darüber erzählen?
Neben Zurcaroh entsteht gerade das   Projekt Zurcaroh Care. Wir wollen mit Zurcaroh Care globale Verantwortung übernehmen. Nach und nach werden in Zukunft weltweit neue Zurcaroh Gruppen in Armenvierteln gegründet. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche von der Strasse weg zu holen, sie von der Kriminalität fernzuhalten und ihnen auch eine schulische Perspektive zu bieten. Als Pilotprojekt unterstützen wir gerade ein bestehendes ähnliches Projekt in Uganda. Der nächste Schritt wird dann die Gründung einer Zurcaroh Gruppe in den Favelas rund um Sao Paulo sein. Zurzeit suchen wir noch starke Partner, die die Nachhaltigkeit von Zurcaroh Care garantieren.

Schlusswort
Das Leben bei Zurcaroh ist keine Show. Es geht um Nächstenliebe, Freundschaft und Vertrauen.

«America's got Talent» ist eine amerikanische Talentshow des Fernsehsenders NBC. Die Jury (v.l.) Mel B, Howie Mandel,
Heidi Klum und Simon Cowell / Photos by: © Trae Patton/NBC / 2018 NBC Universal Media, LLC