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Interview

12 Jahre Bürgermeister in der Gemeinde Vaduz

Ewald Ospelt vom 29. Januar 2007 bis 30. April 2019 Bürgermeister von Vaduz

Ewald Ospelt war 12 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Vaduz, Haupt- ort des Fürstentums Liechtenstein, Sitz der Regierung, des Landtags sowie der Behörden und seit 1939 auch fürstliche Residenz. Bereits in den Jahren 1995 bis 2003 konnte er als Gemeinderat und Vizebürgermeister die Entwicklung von Vaduz mitgestalten und prägen.
Im Interview mit exclusiv blickt er zurück und zieht Bilanz.

Ewald Ospelt: 12 Jahre sind generell prägend im Leben, ungeachtet davon, was man tut. Mit 47 Jahren war man voller Tatendrang – mit beinahe 60 schaut das schon ein wenig anders aus (schmunzelt). Das Amt des Bürgermeisters ist eine Aufgabe, die nur wenigen Menschen vorbehalten ist. Dies nicht unbedingt nur wegen den dazu erforderlichen Fähigkeiten und Interessen, sondern vielmehr aufgrund dessen, weil dieses Amt einem Auswahlprozess unterliegt und man letztlich gewählt werden muss. Für einen Sitz im Gemeinderat ist dazu die Hürde etwas kleiner und vor allem das Aufgaben- gebiet wesentlich weniger komplex. Bürgermeister oder Vorsteher zu sein ist und war deshalb für mich ein Privileg auf Zeit.

Das Amt des Bürgermeisters ist sehr  facettenreich. Was macht das Amt attraktiv, aber eben auch anspruchsvoll?
Weitreichend waren für mich die vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten: Mit Menschen aus der lokalen Politik, die regionalen aber auch überregionalen Kontakte und die verschiedenen Altersgruppen, also von der Geburt bis hin zum Tod. Das Amt des Bürgermeisters öffnet viele Türen. Die Bandbreite von Menschen, mit denen man Kontakte knüpfen und pflegen darf, ist enorm. Primär sind es also Menschen, die die Arbeit als Bürgermeister prägen. Aber auch der Bau, Betrieb und Unterhalt unserer umfangreichen Infrastrukturen sind wichtige Aufgaben einer Gemeindeverwaltung und fallen somit in die Zuständigkeit des Bürgermeisters und des Gemeinderates.

Hinzu kommen ja auch noch unterschiedliche Erwartungen, die in die Person des Bürgermeisters gesetzt werden?
Es ist eine alte Weisheit..., «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann». Leider musste ich deshalb in   meiner Amtszeit einige Menschen oder Anspruchsgruppen auch enttäuschen. Eine Mehrheit hingegen scheint mit meiner Arbeit und derjenigen des Gemeinderates sowie der Gemeindeverwaltung zufrieden gewesen zu sein, da ich ja zweimal im Amt bestätigt wurde … (schmunzelt)...
Einfach gesagt, der Mensch mit seinen sozialen, gesundheitlichen, kulturellen und sportlichen Bedürfnissen und mit ihm die Natur und unsere Umwelt stand bei meinem Handeln stets im Vordergrund.

Eine wichtige Aufgabe des Bürgermeisters und des Gemeinderats ist der Gedanke an die Zukunft und die damit verbundenen Investitionen. Welches waren hier wichtige Projekte?
Für unseren Bildungsstandort und das Angebot der ausserhäuslichen Kinderbetreuung waren die Sanierung der Primarschule und der Neubau der Tagesschule Ebenholz, das Kinderhaus Haberfeld sowie der Umbau der «Villa Wirbelwind» in eine Kindertagesstätte wichtige Meilensteine. Weiter bestimmten das Gemeinschaftsprojekt an der Wuhrstrasse mit dem Neubau für den Rettungsdienst des Roten Kreuzes kombiniert mit dem Werkbetrieb und der Bauverwaltung der Gemeinde, das neue Wasser- und Abwasserwerk, die Sanierung der alten Holzbrücke und der Bau der neuen Langsamverkehrsbrücke nach Buchs sowie etliche Tiefbauprojekte unser strategisches Handeln.
Allein diese kurze Auflistung vermag jedoch der effektiv geleisteten Arbeit aller Beteiligten über diese Jahre hinweg keines- falls gerecht zu werden – es waren auch viele andere Meilensteine dabei, die jetzt ebenso eine Erwähnung verdient hätten.

Als Wehrmutstropfen muss ich hierzu aber auch das Projekt «Gnuag Platz för alli» erwähnen. Wir haben über drei Jahre ein Grossprojekt für Vaduz unter Mitwirkung weiter Teile der Bevölkerung zur Entscheidungsreife entwickelt, das meiner Meinung nach auf der Zielgeraden mit fadenscheinigen Argumenten kurz vor der Abstimmung durch wenige Exponenten schlecht geredet wurde. Das ist zwar gelebte Demokratie – dennoch schmerzt es mich jetzt noch, wenn ich die verpassten Chancen betrachte, die nun halt in Schaan z.B. mit dem Kinoprojekt umgesetzt werden können.

Erfreulich hingegen waren die vielen Begegnungen mit Menschen, von denen ich im Laufe der Jahre immer wieder Unterstützung, Zuspruch und Inputs bekommen durfte. Die überwiegend gute Zusammen- arbeit im Gemeinderat, in den vielen Kommissionen und Arbeitsgruppen, mit Regierungs- und Landtagsvertretern, das Zusammenwirken in der Vorsteherkon-ferenz und mit der Fürstlichen Familie bleiben unvergesslich.

Woraus haben Sie Ihre Energie geschöpft?
In erster Linie ist es meine verständnisvolle Frau Bettina, die vollumfänglich hinter meiner Tätigkeit stand. Bettina ist ein Bewegungsmensch, der die Natur liebt und die Freizeit gerne draussen verbringt. Sie war und ist für mich in dieser Hinsicht Motivatorin (lacht). Es sind aber genau Freizeitaktivitäten wie Velofahren und ausgedehnte Wanderungen in den Bergen, die uns beiden neue Energie gaben.

Schlusswort
Das Schlusswort möchte ich nutzen um ganz einfach «Danke» zu sagen: Allen Mitarbeitenden und somit der gesamten Gemeindeverwaltung Vaduz für die grosse Unterstützung und geleistete Arbeit, allen Wählerinnen und Wählern, die mir jeweils ihr Vertrauen schenkten und so dazu beigetragen haben, dass ich zwölf Jahre Bürgermeister von Vaduz sein durfte. Last but not least geht mein grosser Dank an meine Frau Bettina für ihre Unter- stützung und an meine beiden Kinder, die ihren Vater in dieser Zeit auch nicht immer so präsent hatten, wie das in     anderen Familien vielleicht der Fall ist. Dem Herrgott danke ich, dass ich gesund bleiben durfte und in den zwölf Jahren im Rathaus nie krankheitshalber gefehlt habe.
Ich freue mich nun auf eine neue Lebensphase und wünsche der Gemeinde Vaduz weiterhin eine gute und segensreiche Zukunft.                                                 

Wir danken Ewald Ospelt für
das Interview.

Ewald Ospelt mit seiner Frau Bettina

fotos + text: © exclusiv