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300 Jahre
Fürstentum Liechtenstein

PD Dr. Peter Geiger Kurzbiographie
PD Dr. Peter Geiger, Schaan, *1942,
Historiker. Promotion Zürich 1970,
Habilitation Fribourg 1999. Dozent Päd. Hochschule St. Gallen und Univ. Fribourg, Forscher am Liechtenstein-Institut. Aktuell Co-Vorsitzender der Liecht.-Tschech. Historikerkommission. Publikationen u. a.: Russen in Liechtenstein (mit Manfred Schlapp, 1996); Krisenzeit, Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928-1939 (2 Bde., 1997, 20002); Kriegszeit, Liechtenstein 1939 bis 1945 (2 Bde., 2010).


300 Jahre Fürstentum Liechtenstein, ein Jubiläum das sich mit Gestern, Heute und Morgen befasst und zur Frage bewegt, wie lange… sind 300 Jahre… wer und was prägte diese Zeit und die Menschen in den Generationen dieser dreihundert Jahre. Wir haben beim renommierten Historiker PD Dr. Peter Geiger nachgefragt und ein Interview erhalten.

Silvia Abderhalden: Nach dem Kauf der Herrschaft Schellenberg im Jahr 1699 und der Grafschaft Vaduz im Jahr 1712 durch Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein werden die beiden Landesteile 1719 durch Kaiser Karl VI. vereinigt und zum Reichsfürstentum Liechtenstein erhoben. Der wichtigste Rechtssatz dieser Erhebung war die Umwandlung der Reichsgrafschaft Vaduz und der Reichsherrschaft Schellenberg in ein gemeinsames Reichsfürstentum mit dem Namen Liechtenstein. Aussergewöhnlich war, dass andere gefürstete Grafschaften nicht den Namen ihres Inhabers erhielten, sondern ihre eigenen behielten. Was für Vergleiche gibt es zum damaligen Zeitpunkt?
PD Dr. Peter Geiger: Zu nennen wäre etwa das Fürstentum Fürstenberg, heute Teil von Baden-Württemberg. Die hochadlige Familie von Fürstenberg, die seit dem Hochmittelalter durch Heirat, Erbschaft und Kauf Güter erwarb, besass Herrschaftsgebiete in Süddeutschland nördlich des Bodensees, im Schwarzwald und an der Donau, ebenso solche in Böhmen und Österreich. Das Reichsfürstentum Fürstenberg bestand von 1664 bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806. Im Unterschied zu Liechtenstein wurden die Gebiete des Fürstentums Fürstenberg 1806 mediatisiert, nämlich Baden zugeschlagen, zu kleineren Teilen auch Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen. Die Fürstenberg sammelten Gebiete – unter anderem 1534 auch welche durch Erbschaft von den Grafen von Werdenberg, oder im 18. Jahrhundert aus dem Besitz der Schellenberg Hüfingen im Schwarzwald. Residenz der Fürstenberg war Stühlingen, ab 1723 Donaueschingen.

Die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen in Süddeutschland schliesslich, bestehend von 1623 bis 1849 (danach preussisch), waren ebenfalls nach der Familie Hohenzollern benannt, herkommend vom schwäbischen Stammschloss Hohenzollern bei Hechingen. Ein Zweig der Hohenzollern zog nordwärts, regierte dann Preussen und schliesslich das Deutsche Kaiserreich bis 1918.

Gab es zu jener Zeit in dieser Region andere bekannte Landverkäufe oder Landtausche, die bis heute in die Geografie Einfluss nehmen?
Vor drei Jahrhunderten – und lange darüber hinaus – war es noch üblich, Herrschaften durch Kauf, Verkauf, Heirat oder Erbschaft zu erwerben und weiterzugeben. Auch durch Krieg. Ein Beispiel im Grossen: Als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges gewann Habsburg 1713 im Frieden von Rastatt und Utrecht die Spanischen Niederlande, das Herzogtum Mailand, das Königreich Neapel und das Königreich Sardinien; dieses gab Österreich um 1720 im Tausch an Savoyen-Piemont und erhielt von diesem das Königreich  Sizilien. Wiederholte spätere Versuche Österreichs, auch Bayern oder Teile davon durch Tausch zu bekommen, blieben erfolglos.

Änderte sich das Verhältnis zur nahen Nachbarschaft nach der Erhebung zum Reichsfürstentum Liechtenstein?
Die Situation des Landes war politisch wieder klarer. Denn während vielen Jahren, seit der Absetzung der Hohenemser als Landesherren, war das Land einer Zwangsadministration von Reichs wegen unterstellt gewesen, also einer Art Reichsvormundschaft. Liechtenstein, nun Fürstentum und im Reich auf gleicher Stufe wie die Nachbarn stehend, grenzte auf der einen Seite an das habsburgisch-österreichische Vorarlberg, auf der andern Seite an die Eidgenossenschaft. Über dem Rhein lagen westlich eidgenössische Untertanengebiete, über Luziensteig südlich Graubünden als Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. Ansprechpartner für die Nachbarn war nun die liechtensteinische Verwaltung, vertreten durch den Landvogt. Dieser residierte vorerst nicht in Vaduz, sondern bis 1774 in Feldkirch, im speziell erbauten Liechtensteinischen Amtshaus, Palais Liechtenstein genannt. Neu war die Situation auch für die Menschen im Land, sie waren nicht mehr  Untertanen der konkursiten «Hohenemser», sondern neu Liechtensteiner. Freilich weiterhin Untertanen.

Für die Herrschaft Schellenberg hat Fürst Johann Adam I. 1699 115'000 Gulden bezahlt, für die Grafschaft Vaduz 290'000 Gulden, das war sehr viel Geld. Gibt es eine Wertrelation zu heute, die diesen Beträgen entspricht?
Das war damals viel Geld, ja. Der Fürst gab es nicht aus, weil der Erwerb der zwei Gebiete und die Steuererlöse daraus so viel wert gewesen wären. Er erwarb sie, weil die Herrschaften «reichsunmittelbar» waren, also direkt unter dem Reich, dem Kaiser, standen. Mit Kauf und Erhebung zum Reichsfürstentum waren die Fürsten nicht mehr blosse Titelfürsten, sondern endlich regierende Fürsten, mit Anspruch auf Sitz und Stimme auf der Fürstenbank im Reichstag in Regensburg. Daher die grossen Summen.
Diese mit heutigen Geldwerten zu vergleichen ist nicht einfach. 1699 erhielt gemäss Martina Sochin D’Elia ein in Schaan tätiger Lehrer pro Jahr 70 Gulden Lohn (dazu Wohnung, Holz, Most, Schmalz etc.). Heute verdient ein Primarlehrer in Liechtenstein anfänglich gut 84'000 Franken; daraus muss er auch Wohnung, Wein etc. selber berappen. Wir können also für den Vergleich um 1699 einen kumulierten Lehrerlohn von 100 Gulden jährlich annehmen und diesen mit dem heutigen Lehrerlohn von 84'000 Franken analog setzen. 1 Gulden um 1699 entspräche damit 840 Franken heute. Die 115'000 Gulden für die Herrschaft Schellenberg entsprächen dann heute ca. 95 Millionen Franken, die 290'000 Gulden für die Grafschaft Vaduz heute ca. 240 Millionen, für das ganze Land zusammen also 335 Millionen Franken. Dies ist indes eine mit Vorsicht zu geniessende Schätzung. Gekauft hat der Fürst übrigens nicht das Land, sondern die Herrschaftsrechte, einschliesslich der herrschaftlichen Güter wie einzelne Wälder, Weingärten, Güter, Burgen.

300 Jahre Fürstentum Liechtenstein, welches waren die schwierigsten Jahre in dieser Zeit, sprich Begebenheiten, die in die Geschichte eingegangen sind?
Es gab viele schwierige Zeiten und Vorgänge. In der kleinbäuerlichen Bevölkerung war Armut verbreitet, bis ins 20. Jahrhundert. Es gab immer wieder Dorfbrände, ebenso Hungerzeiten, so in den 1780er Jahren und im Hungerjahr 1816/17. Als schwierigste Passagen der vergangenen drei Jahrhunderte für Liechtenstein sind zu nennen: Die eineinhalb Jahrzehnte von 1799 bis 1815, als die napoleonischen Kriege auch Liechtenstein trafen; dann die Jahre des Ersten Weltkriegs, als das in die österreichische Kriegswirtschaft eingebundene Land Mangel bis zur Hungergrenze und danach noch den verheerenden Kronenzerfall erlebte; schliesslich die NS-Zeit, in der Liechtenstein ab dem Anschluss Österreichs 1938 vom Anschluss ans Reich, von Nazionalsozialismus und Einbezug in den mörderischen Hitlerkrieg bedroht war, im Land eine radikale Minderheit den Anschluss propagierte. Da ging es um Sein und Nichtsein als Staat und um Leib und Leben der Menschen.

Warum wurde Liechtenstein nicht angeschlossen?
Es war 1938 für Hitler zu klein als Einzelbeute. Von Berlin aus wurde Liechtenstein als Anhängsel der Schweiz wahrgenommen. Mit dieser zusammen sollte es dann besetzt und einverleibt   werden. Die NS-Anhänger im Land konnten sich nicht durchsetzen. Der Krieg verlief dann nicht im Hitlersinne. Liechtenstein kam davon.

… und im Gegensatz zu den schwierigsten Zeiten, was gehörte zu den prägenden Ereignissen oder Meilensteinen, die dem Fürstentum Liechtenstein zum Wohlstand verhalfen?
Als Land des Wohlstands kann man Liechtenstein erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrachten, also erst in den jüngsten gut 50 Jahren des 300-jährigen Bestehens. Grundlagen wirtschaftlichen Aufschwungs wurden mit den Wirtschaftsverträgen mit Österreich und dann insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg mit der Schweiz gelegt, mit den Industriegründungen seit den 1860er Jahren und später ab den 1930er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg. Das sogenannte Gesellschaftswesen, nämlich die Gründung von Sitzgesellschaften und Stiftungen, hat seine Grundlage im Personen- und Gesellschaftsrecht (PGR) von 1926/1928, massgeblich verfasst von den Juristen Wilhelm Beck und Emil Beck. Das Treuhandwesen nahm nach dem Zweiten Weltkrieg einen rasanten Aufschwung. Viel Geld, vielfach unversteuert, floss zu. Dennoch blieben neben den Finanzdienstleistungen die Industrie und das verarbeitende Gewerbe bis heute stark. Eine Stütze der Staatseinnahmen bildete ab 1912 bis in die 1980er Jahre die Ausgabe eigener Liechtensteiner Briefmarken. Staat und Gemeinden haben heute keine Schulden, privater Wohlstand ist verbreitet, daneben gibt es Ärmere, Arbeitslose und auf Sozialhilfe Angewiesene.

Warum hat Liechtenstein als Staat überlebt?
Erstens ist Liechtenstein sehr klein, ja winzig. Es war ein ärmlicher Bauernwinkel, ohne Stadt und ohne Kloster. Hier war nichts zu holen. Zwar zeigten beim Verkauf von Schellenberg 1699 auch der Fürstabt von St. Gallen und der Bischof von Chur Interesse, aber der Fürst von Liechtenstein überbot sie. Zweitens war und ist die geopolitische Zwischenlage überaus günstig. Die Nachbarn Schweiz und Österreich waren an Expansion ins Grenzländchen nicht interessiert, sondern durchwegs freundlich. Drittens mussten die Fürsten nicht aus ihrem Fürstentum leben, ihr Reichtum floss ihnen von anderswo zu. Viertens waren die Fürsten nicht nur reich, sondern auch einflussreich. All dies rettete Liechtenstein als Staat immer wieder vor dem Verschwinden.

Wann und wie?
Man kann die Jahre 1806, 1815 und 1866 anführen. 1806 löste sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf, Hunderte von ehemaligen Mitgliedstaaten gingen in grösseren auf, sie wurden mediatisiert. Nicht so Liechtenstein, es wurde als einer von 16 Staaten von Napoleon in den Rheinbund aufgenommen und für souverän erklärt. Fürst Johann I. hatte nach der Schlacht von Austerlitz als Adjutant des österreichischen Kaisers den Waffenstillstand und den Friedensvertrag mit Napoleon ausgehandelt, Napoleon schätzte den Fürsten. Auf dem Wiener Kongress 1815 wiederum konnte sich Liechtenstein in den  Deutschen Bund retten, als einer von 38 deutschen Staaten. Und 1866, als der Deutsche Bund im Krieg zerbrach, trat Liechtenstein mit seinem Militärkontingent zwar an der Seite Österreichs, aber nicht als dessen Verbündeter gegen Preussen in den Krieg ein, sondern nur gegen Italien, gewissermassen an der Seitenlinie. Es blieb fortan territorial von dem sich neu formierenden Deutschland getrennt. Nun erst war es wirklich souverän. Ein Zoll- und Steuervertrag mit Österreich (1854) sicherte es ökonomisch ab. Zum Überleben als Staat gehört auch, dass die Bevölkerung einen ausgeprägten Eigenwillen an den Tag gelegt hat. Und dass man immer die Gelegenheit ergriffen hat, sich günstig zu platzieren: So nach dem Ersten Weltkrieg durch die Umorientierung zur Schweiz, dies war geradezu rettend in der NS-Zeit, zugleich bis heute vorteilhaft im Frankenraum und im Wirtschaftsaufschwung. Aussenpolitisch fand Liechtenstein Absicherung durch Beitritt zu Europarat und EWR sowie, forciert durch Fürst Hans-Adam II., zur UNO – auf die höchste Ebene, wie seinerzeit 1719.

Gab es vor dem 20. Jahrhundert Künstler und Erfinder in Liechtenstein?
Ja, wenn auch nicht so viele wie heute. Im Bereich der Malerei sind zu nennen Peter Balzer, Johann Gantner, Moritz Menzinger und Ferdinand Nigg. Sie alle lernten und arbeiteten im Ausland. Die Sommer verbrachten sie im Land, wo sie u. a. Landschaften malten. Balzer war bei Orell Füssli in Zürich als Zeichner tätig, er schrieb auch Gedichte und schuf Karikaturen. Ferdinand Nigg, der bei Orell Füssli die Lehre absolvierte, war später in Deutschland Professor für Kunst, er wurde ein Vorbereiter der Moderne. Der Musiker und Komponist Josef Gabriel Rheinberger wurde königlicher Kapellmeister in München, er stieg zu europäischer Bedeutung auf, seine Werke werden heute wieder oft aufgeführt. Als Dichterin ist Hermine Rheinberger zu erwähnen, sie schrieb Gedichte und den historischen Roman «Gutenberg Schalun». Der Chronist Johann Georg Helbert in Eschen schrieb während dreieinhalb Jahrzehnten bis 1813 seine jährliche Chronik nieder. Peter Kaiser publizierte 1847 die erste Geschichte des Landes. Die Feder zu führen wussten auch Zeitungsredaktoren: Als erste Zeitung erschien 1863 eine «Liechtensteinische Landeszeitung», ab 1878 dann das «Liechtensteiner Volksblatt». Im Bereich der Bildhauerei und Architektur ist Egon Rheinberger, Bruder von Hermine, zu nennen. Er baute das Rote Haus aus und ab 1900 die zuvor nur noch als Ruine bestehende Burg Gutenberg, im Stil des Historismus. Ob es Erfinder gab, fragen Sie. Gewiss in der seit den 1860er Jahren einziehenden Textilindustrie in Vaduz und Triesen, ebenso im Bereich des Handwerks – Erfinder des in Nendeln wieder zu besichtigenden Ringofens zur fliessbandmässigen Ziegelherstellung war aber ein Deutscher namens Hoffmann. Nochmals zur Kunst: Im Land wirkten immer wieder ausländische Künstler, insbesondere an Kirchenbauten als Architekten, Wand- und Deckenmaler, Bildhauer, Schnitzer, Kunstschmiede, Glasmaler.

Liechtenstein hat verschiedene historische Bauten, schöne Kirchen und Kunstwerke, die zum Teil viel älter als das Jubiläumsland sind. Welche Zeugen der Baukunst wurden bekannt durch ihre eigenen Geschichten oder gar Mythen?
Alte Burgen und Kapellen sind hierzulande wie anderswo gern mit Sagen oder Entstehungsmythen verbunden. Die Kapelle Maria Hilf in Balzers-Mäls etwa sei, so heisst es zum einen, als Dank an die Gottesmutter erbaut worden, weil sie die Mälser von einem Drachen am Ellhorn befreit habe – heute ziert die Turmfahne ein Drache. Eine andere Erklärung besagt, die Kapelle sei zum Gedenken an die dort geschlagene Schlacht von 1289 zwischen dem Bischof von Chur und dem Grafen von Werdenberg errichtet worden. Oder nochmals Balzers, nämlich Gutenberg: Als im Schwabenkrieg 1499 die Eidgenossen Burg Gutenberg belagerten und aushungerten, warf die Burgbesatzung die eine Hälfte des letzten Kalbes über die Mauer, um zu zeigen, man verfüge noch über viel Vorrat, darauf zogen die Eidgenossen ab. Genau das Gleiche erzählte uns freilich die Stadtführerin in der französischen Stadt Carcassone zu einer überstandenen Belagerung. Eine hübsche Wandersage.

Sie haben Daniel Quaderer bei der Aus- stellung «300 Jahre, 300 Wörter» beraten, die noch bis Mittwoch, 27. August 2019 in der Erwachsenenbildung Stein Egerta zu sehen ist. 300 Wörter … welches sind die eindrücklichsten, ältesten oder lange vergessenen «Wörter» dieser Ausstellung und kam es durch den Aufbau dieser interessanten Ausstellung zu neuen  Erkenntnissen?
Mir gefallen unter den von Daniel Quaderer ausgesuchten Wörtern besonders: «Zwergenland» (1725), Jonathan Swift begann mit der Publikation von Gullivers Reisen, wie klein ist alles bei den Zwergen, und wie klein ist Gulliver unter den Riesen, ein schönes Bild für Liechtenstein; «Friedgraben» (1761), Eschen und Mauren zogen einen Graben im Riet, zur Streitbeilegung; «Ehekonsens» (1806), zum Heiraten wurde eine Einwilligung der Gemeinde erforderlich, Armen wurde sie nicht erteilt; «Gemeindequorum» (1932), für kurze Zeit erhält jede Gemeinde, ausser Planken, mindestens einen Landtagssitz, von damals 15; «Rucksack» (1970), Erbprinz Hans-Adam empfahl in einer Rede, Liechtenstein solle aus dem bequemen Rucksack der Schweiz aussteigen und eine eigenständige Aussenpolitik führen; «Todesstrafe» (1987), letztmals war 1785 Barbara Erni auf Güdigen enthauptet worden, gesetzlich blieb die Todesstrafe möglich, 1977 wurde sie wegen mehrfachen Mordes verhängt, der Fürst wandelte das Urteil auf dem Gnadenweg in Gefängnisstrafe um, darauf schaffte man 1987 die Todesstrafe gesetzlich ab. Insgesamt hat die originelle 300 Wörter-Ausstellung überraschende Fenster in die Vergangenheit geöffnet und Besucher zu angeregten Diskussionen, Fragen und Vergleichen geführt.

Welche Bedeutung hat ein solches Jubiläum für die Historiker?
Man befasst sich wieder mit Zeit und Umständen des Jubiläums-Anlasses, hier der Gründung des immerhin seit 300 Jahren bestehenden, kleinen, für Aussenstehende sonderbaren Fürstentums. Man stellt mitunter auch neue Forschungsfragen. Man klärt die interessierte Öffentlichkeit auf, durch Beiträge, Vorträge, Ausstellungen, Gespräche. Man vergleicht auch damals und heute. Jubiläen sind gute Gelegenheiten zum Fragen und Nachdenken.

Was wird aus Ihrer Sicht aus dem 300 Jahre-Jubiläumsjahr in die Geschichte eingehen?
Einerseits wird man sich in Jahren und Jahrzehnten – vielleicht in wieder hundert Jahren – an die verschiedenen 300-Jahr-Jubiläumsanlässe von 2019 erinnern, besonders an eindrückliche, geglückte. Erzählen wird man aber wohl auch vom in der Geschichte des Landes bisher unerhörten Politprocedere der Abberufung von Aussenministerin Aurelia Frick.

Wir danken PD Dr. Peter Geiger für das Interview.

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foto: © Dipl. Biologe Michael Fasel, Vaduz