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«Bierhüüsle» in Schaan – Vergangenheit wird sichtbar. Gegenwart wird gestaltet. Mit der «Kulturbrauerei» entsteht Zukunft.

«Bierhüüsle» in Schaan – Vergangenheit wird sichtbar. Gegenwart wird gestaltet. Mit der «Kulturbrauerei» entsteht Zukunft.

«Bierhüüsle» in Schaan – Vergangenheit wird sichtbar. Gegenwart wird gestaltet. Mit der «Kulturbrauerei» entsteht Zukunft.

Was heute im September vielerorts Türen zu historischen Orten öffnet, begann mit einer einfachen Idee: Kulturdenkmäler sollten für alle zugänglich und erlebbar werden. Ihren Ursprung haben die Denkmaltage in Frankreich, wo 1984 erstmals eine «Journée Portes ouvertes des Monuments historiques» stattfand. Die Idee fand rasch Nachahmer in den Beneluxländern und entwickelte sich weiter. Seit 1991 sind die Denkmaltage ein Kulturengagement des Europarates. Auch Liechtenstein beteiligt sich seit 1993 daran. Inzwischen öffnen in rund 50 Ländern historische Orte ihre Türen und machen damit Geschichte erlebbar.

Samstag, 5.9.2026 – Dass der diesjährige Europa-Tag des Denkmals in der ehemaligen Brauerei Quaderer in Schaan stattfand, passte deshalb besonders gut. Denn hier ging es nicht nur um den Blick zurück, sondern ebenso um die Frage, wie aus einem historischen Gebäude ein lebendiger Ort für die Zukunft werden kann.

Regierungschef-Stellvertreterin und Kulturministerin Sabine Monauni betonte bei der Eröffnung, dass Denkmäler weit mehr seien als alte Mauern und historische Fassaden. Sie erzählten von den Menschen, die sie geplant, gebaut und genutzt hätten, von ihrer Arbeit, ihrem Können und ihrem Alltag. Besonders eindrücklich zeige dies die ehemalige Brauerei Quaderer, deren historische Ansicht aus dem Jahr 1910 auch auf der Einladung zum Denkmaltag abgebildet war. Seit dem Bau des Gebäudes im Jahr 1887 hätten hier Generationen von Menschen gearbeitet, Waren hergestellt und damit einen Beitrag zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Liechtensteins geleistet.

Regierungschef-Stellvertreterin und Kulturministerin Sabine Monauni
Regierungschef-Stellvertreterin und Kulturministerin Sabine Monauni

Sabine Monauni dankte allen, die sich für den Schutz der Denkmäler und insbesondere für das «Bierhüüsle» einsetzen und diesen besonderen Ort auf seinem weiteren Weg begleiten. Anschliessend erklärte sie den Europa-Tag des Denkmals offiziell für eröffnet.

Für Patrik Birrer, Leiter des Amtes für Kultur und als Denkmalpfleger mit dem Projekt befasst, steht die neue Kulturbrauerei sinnbildlich dafür, wie Geschichte und Zukunft miteinander verbunden werden können. «Hier wird aus Geschichte Zukunft», fasste Patrik Birrer den Gedanken zusammen.

Das ehemalige Brauereigebäude, das 1887 errichtet und später mehrfach erweitert und umgebaut wurde, stand einst sogar vor dem Abbruch. Das Amt für Kultur konnte diesen 2021 verhindern. Die Gemeinde Schaan erwarb das Gebäude 2022, 2023 wurde es ins Kulturgüterregister aufgenommen und damit unter Denkmalschutz gestellt. Von besonderer Bedeutung ist der historische Gewölbekeller, der bis heute an die frühere Nutzung als Brauerei erinnert.

Mit der neuen Kulturbrauerei erhält das Gebäude nun eine völlig neue Aufgabe. Ab 2027 sollen hier internationale Kunst- und Kulturschaffende für jeweils drei Monate leben und arbeiten können. Drei Wohnateliers für internationale Gäste und zwei kleinere Ateliers für heimische Kunstschaffende schaffen Raum für Begegnung und Austausch. Ergänzt wird das Angebot durch Gemeinschaftsräume und den historischen Gewölbekeller, der künftig als Ausstellungsraum dienen soll.

Gerade darin liegt aus Sicht der Denkmalpflege eine besondere Qualität des Projekts. Ein Denkmal müsse nicht unter eine Glasglocke gestellt werden. Vielmehr brauche es einen verantwortungsvollen Umgang mit seiner Geschichte und, wenn möglich, eine sinnvolle neue Nutzung. Der Gewölbekeller, in dem früher Bier gelagert und gekühlt wurde, wird künftig Raum für Kunst bieten. «Wo früher Bier lagerte, entstehen künftig Ideen», beschrieb Patrik Birrer den Wandel.

Die Kulturbrauerei soll dabei mehr sein als ein neues Atelierhaus. Sie verbindet Kulturerbe und zeitgenössisches Kulturschaffen, lokale und internationale Kultur sowie Kunst und Literatur. Internationale Gäste treffen auf die lokale Kulturszene, neue Ideen auf einen Ort mit Geschichte.

Auch aus Sicht der Baukultur ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Alt und Neu miteinander verbunden werden können. Es gehe nicht darum, beides gegeneinander auszuspielen, sondern um einen produktiven Dialog. Die notwendigen Eingriffe, etwa für Erschliessung, Lift und Barrierefreiheit, wurden sorgfältig mit der historischen Substanz abgewogen.

Patrik Birrer, Leiter des Amtes für Kultur, auf dem Rundgang.
Patrik Birrer, Leiter des Amtes für Kultur, auf dem Rundgang.

Ein besonderer Dank ging an die Gemeinde Schaan und alle Beteiligten, die die anspruchsvolle Umwandlung ermöglicht haben: an die politischen Verantwortlichen, die Architektinnen und Architekten, die Bauleitung, Planerinnen und Planer, Handwerker, Restauratorinnen und Restauratoren, die Fachleute der Denkmalpflege sowie die Bauherrenvertretung der Gemeinde. Ebenso wurden die Kulturpartner gewürdigt, darunter Domus, Literaturhaus, visarte Liechtenstein und die Abteilung Kulturschaffen des Amtes für Kultur.

Noch ist die Kulturbrauerei eine Baustelle. Offiziell eröffnet wird sie am 14. November. Doch schon am Europa-Tag des Denkmals wurde sichtbar, wohin die Reise geht: Aus einem ehemaligen Brauereigebäude entsteht ein Ort, an dem künftig geschrieben, gestaltet, diskutiert, gearbeitet und ausgestellt wird.

Vielleicht passt deshalb das Bild der Brauerei besonders gut zur neuen Nutzung. In einer Brauerei wird aus verschiedenen Zutaten etwas Neues. Auch Kultur braucht Räume, Menschen, Zeit und Austausch, damit etwas entstehen kann, das vorher noch nicht da war.

Die Kulturbrauerei will genau ein solcher Ort sein – einer, der seine Geschichte bewahrt und gleichzeitig offen ist für das, was noch kommt. Oder, wie Patrik Birrer es formulierte: Ein Denkmal dürfe nicht nur bewahrt, sondern müsse auch weitergegeben werden. Und Weitergeben bedeute manchmal, etwas zu verändern.

Zum Abschluss seiner Ausführungen erinnerte der Leiter des Amtes für Kultur an Johann Wolfgang von Goethe, der 1788 auf seiner Rückreise von Italien eine Nacht in Vaduz verbracht haben soll. Mit dessen Worten «Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun» schlug er den Bogen zurück zum heutigen Projekt.

Nach dem offiziellen Teil konnten die Besucherinnen und Besucher die ehemalige Brauerei auf einem Rundgang erkunden, die Räume und den historischen Gewölbekeller entdecken und sich beim anschliessenden Apéro über die neue Kulturbrauerei austauschen. Musikalisch begleitet wurde der Anlass vom Ensemble «Scream and Shout» der Musikschule unter der Leitung von Johannes Uthoff.

Die 34. Ausgabe der Europa-Tage des Denkmals zeigte damit eindrücklich, worum es bei Denkmalpflege letztlich geht: Geschichte sichtbar zu machen und ihr zugleich eine Zukunft zu geben.

Text und Fotos: © exclusiv

Kulturbrauerei am Denkmaltag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert

Kulturbrauerei am Denkmaltag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert

Fotos: © exclusiv

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