Ein Leben, das sich nicht auf eine Behinderung reduzieren lässt
Der weitere Lebensweg führte Alex Oberholzer über das Studium von Mathematik, Literatur und Kunstgeschichte schliesslich zum Journalismus. Mehr als drei Jahrzehnte lang war er als Filmredaktor bei Radio 24 tätig und begleitete das Kinogeschehen als Filmkritiker. Heute moderiert er Veranstaltungen, hält Vorträge zum Thema Resilienz und engagiert sich für Inklusion.
Im Gespräch wurde deutlich, wie wenig sich ein Mensch durch seine Krankheit oder Behinderung allein beschreiben lässt. Seine Geschichte handelt ebenso von Neugier, Humor, Bildung, Familie und der Fähigkeit, sich immer wieder neue Möglichkeiten zu erschliessen.
Polio – eine persönliche Geschichte mit globaler Bedeutung
Eine zusätzliche Dimension erhielt der Abend durch die Anwesenheit von Rotariern und einem Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO. Rotary engagiert sich seit Jahrzehnten für die weltweite Ausrottung der Kinderlähmung und unterstützt gemeinsam mit internationalen Partnern Impfprogramme gegen Polio.
Die Infektionskrankheit kann das Nervensystem angreifen und bleibende Lähmungen verursachen. Obwohl bei ihrer Bekämpfung weltweit grosse Fortschritte erzielt wurden, ist das Ziel einer vollständig poliofreien Welt noch nicht erreicht.
Was in der öffentlichen Diskussion häufig als medizinisches oder internationales Gesundheitsthema erscheint, erhielt durch die Erzählungen von Alex Oberholzer eine unmittelbar menschliche Dimension. Seine Geschichte machte deutlich, weshalb dieses Engagement bis heute von Bedeutung ist.
Ein Abend, der nachwirkt
Vielleicht lag gerade darin die besondere Stärke dieses ersten Abends der Reihe «Nachfragen erlaubt»: Eine einzelne Lebensgeschichte öffnete den Blick auf weit grössere Zusammenhänge. Alexa Ritter nahm den Titel der Veranstaltungsreihe wörtlich. Sie fragte nach, hörte zu, liess auch schwierige Gedanken zu und verband die einzelnen Erzählungen mit einem feinen Gespür für die Menschen und den Moment.
Zurück blieb nicht nur die Erinnerung an eine aussergewöhnliche Kindheit, sondern auch ein Gedanke, der weit über diesen Abend hinausreicht: Eine Gesellschaft ist dann einen entscheidenden Schritt weiter, wenn es ihr gelingt, Menschen durch Rehabilitation, Bildung und gelebte Inklusion darin zu unterstützen, ihre Stärken zu entfalten und ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen.
Das Buch «Im Paradies der weissen Häubchen» von Alex Oberholzer ermutigt dazu, genau darüber nachzudenken. (https://www.alexoberholzer.ch/mein-buch)
Wer weitere besondere Begegnungen im Hagenhaus in Nendeln erleben möchte, findet hier die kommenden Veranstaltungen: >>
Text und Fotos: © exclusiv