Kultur zwischen Brennofen und Bühne
Wer den Produktionsbetrieb betritt, merkt schnell: Dies ist kein klassischer Betrieb. Es ist ein lebendiger Ort, an dem gearbeitet, gedacht, diskutiert, musiziert und gespielt wird.
Philipp Eigenmann liebt Kultur, Geschichte, Theater und Musik. Schon als Schüler entschied er sich bei der Matura bewusst für das Fach Geschichte. Sein Lehrer, Rupert Quaderer, freute sich damals, dass sich wenigstens einer der Maturanten dafür entschied. Diese Wertschätzung hat Spuren hinterlassen. «Darum engagiere ich mich auch in der Stiftung Hagenhaus. Das Haus, in dem wir heute sind, wurde 1835 erbaut; das benachbarte Hagenhaus 1837 – in denselben Jahren. Übrigens lebte zu dieser Zeit auch Peter Kaiser, der Pädagoge, Historiker und Politiker. Mein Ur-Ur-Grossvater war ein Zeitgenosse von ihm. All das ist für mich wertvoll, spannend und motivierend.»
Vielleicht ist es genau diese Offenheit, die dazu führte, dass der Betrieb zu einem kulturellen Treffpunkt wurde. «Georg Rootering hat mich einmal angerufen, er wollte eine TAK-Tasse gestalten lassen, eine kleine Edition für Abonnenten. So lernten wir uns kennen. Die Künstlerin Sandra Rossi modellierte Skulpturen und liess sie bei uns brennen. Eines Tages kam ihr Mann Florin Frick vorbei, um die Werke abzuholen. Aus diesen Gesprächen entstanden neue Ideen – Ideen führten zum Theater und schliesslich wieder zum Regisseur Georg Rootering.
Die Ofenhalle wurde zur Bühne. Zwischen Brennöfen, Ton und Werkzeugen erklang Homer. «Der Zorn des Achill» – archaisch, intensiv, eindringlich. Das Publikum war begeistert.
Mit dem zweiten Projekt folgte bewusst ein Kontrast: «Krach im Hause Gott» von Felix Mitterer. Skurril, frech und tiefgründig. Die Schauspieler standen auf den Brennöfen. Zwischen Kreuz, Keramik und Feuer entfaltete sich ein ebenso humorvoller wie nachdenklicher Blick auf göttliche Familienkonflikte. Gelächter und Nachdenken lagen nah beieinander.
Kultur darf überraschen», sagt Philipp Eigenmann. «Sie darf irritieren und sie darf Spass machen.» Weitere Projekte sind bereits in Planung. Noch geheim, aber eines ist sicher: Es wird wieder etwas Besonderes.
Philipp Eigenmann lacht. «Kurz zusammengefasst: Familie, Werkstatt, Theater, Kultur, Gastronomie, Kunstschule, Musikakademie in Liechtenstein … es fehlt nur noch die Hängebrücke... daran arbeiten wir noch!
Café, Familie und der Sinn des Tuns
Ein weiteres Herzensprojekt ist das Keramik-Café. Die Idee entstand in Finnland, wo ich zwei Jahre als Keramiker gearbeitet habe. Stundenlang fuhr ich durch Wälder, kleine Ortschaften, und plötzlich stand da eine Keramikfirma mit Café, mitten im Nichts. Man konnte der Produktion zuschauen und einen Kaffee trinken. Das hat mich nie mehr losgelassen.
Zurück in Liechtenstein war die Zeit noch nicht reif. Damals kam kein Mensch. Erst viele Jahre später, nach der Wirteprüfung, wurde das Café Realität. Heute ist es Treffpunkt, Denkraum, Gesprächsort. Hier steht ein Steinway-Flügel, der über eine Philipp-zu-Philipp-Geschichte seinen Weg in die Werkstatt fand. Musikabende sind geplant, Gespräche sowieso.
Ich führe das Unternehmen gemeinsam mit meiner Frau Ulrike, die mich in allem unterstützt. Ich habe die Ideen – sie setzt sie um. Dabei muss ich schmunzeln. Denn Ulrike hat mich auf ganz besondere Weise ins Leben geführt: Ein Kollege von mir, ein Nendler, hat damals eine Familienhelferin geheiratet. Er meinte zu mir: «Philipp, eine Familienhelferin hilft dir zu einer Familie.» Und genau so war es auch bei mir. Ulrike war auch Familienhelferin und hat mir geholfen, unsere Familie zu gründen. Gemeinsam haben wir vier Töchter, wie einst mein Grossvater. Drei haben die Matura gemacht und davon zwei studiert (Physik und Biologie). Die Jüngste ist Augenoptikerin. Und es zeigt sich: Zwei möchten den Weg weitergehen. Annina, die älteste, ist bereits im Betrieb tätig, Physikerin, bringt neue Perspektiven ein. Die dritte, Katharina, erfolgreiche Skeletonfahrerin, hat entschieden: Wenn der Sport endet, kehrt sie zurück.»
Warum also weitermachen?
«Weil ich mit meinem Beitrag die unmittelbare Umgebung lebenswerter, schöner machen möchte. Beim Arbeitsplatz, bei der Familie und bei den Hobbys.
Ich stelle mir eine Frage, die selten gestellt wird: Rendiert es auch?
Wenn wir alles nur noch nach Rendite beurteilen, verlieren wir unglaublich viel. Ich denke da an Musik, ans Theater, an Engagement. Vom Applaus kann man nicht leben, aber er ist unbezahlbar.»
Produkt aus Liechtenstein – mit Gesicht
Seit 2023 ist die Keramik Werkstatt Schaedler stolzer Markenpartner von Liechtenstein Marketing und trägt die Auszeichnung «Produkt aus Liechtenstein». Begonnen hat die Zusammenarbeit mit dem Erlebnispass. Besucherinnen und Besucher kamen, erhielten einen Becher, schauten zu, erlebten das Handwerk.
Dann kam eine Anfrage für die deutsche Sendung «Wunderschön». Kurzfristig, spontan, authentisch. Das Ergebnis: grosse Resonanz. «Man wird im Ausland angesprochen», erzählt Philipp Eigenmann. «Sind Sie nicht der aus der Sendung?» Er lächelt. «Das macht Freude.»
Liechtenstein Marketing gibt dem, was hier entsteht, ein Gesicht. Es zeigt, dass Handwerk, Kultur und Geschichte keine Relikte sind – sondern lebendige Gegenwart.
«Das ist wie Applaus, man kann ihn nicht kaufen, aber er kommt zurück.»
Und vielleicht ist genau das die Essenz dieser Geschichte: Geschichte lebt, sie lebt dort, wo Menschen sie ernst nehmen, weitertragen und neu denken. In Nendeln, in der Keramik Werkstatt Schaedler, bei der Familie Eigenmann.
Quelle: Liechtenstein Marketing
© Silvia Abderhalden