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Manchmal lacht er beim Schreiben über seine eigenen Figuren – Martin Suter im Grand Resort Bad Ragaz

Manchmal lacht er beim Schreiben über seine eigenen Figuren – Martin Suter im Grand Resort Bad Ragaz

Martin Suter war zu Gast im voll besetzten Kursaal des Grand Resort Bad Ragaz, wo der Diogenes-Erfolgsautor zum ersten Mal eine Lesung gab.
Martin Suter war zu Gast im voll besetzten Kursaal des Grand Resort Bad Ragaz, wo der Diogenes-Erfolgsautor zum ersten Mal eine Lesung gab.

Martin Suter gab nicht nur eine Lesung im Grand Resort Bad Ragaz, er unterhielt das Publikum mit feinem Humor
 
Zum ersten Mal las Martin Suter im Grand Resort Bad Ragaz. Das möchte man erst gar nicht glauben, ist doch der Erfolgsautor aus Zürich einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Schweiz – aktuell mit rund zehn Millionen verkaufter Bücher. Die genaue Verkaufszahl müsste er abklären lassen, meinte ein wohlgelaunter Martin Suter lächelnd in Richtung Publikum im vollbesetzten Kursaal. 

Text von Claudia Hutter

Sicher ist, dass er bereits 13 Romane veröffentlichte, sieben Bücher für die Allmen-Krimireihe schrieb und seinen Schreibstil in jüngeren Jahren als Werbetexter und später als Kolumnist für die «Weltwoche» und das Magazin des «Tages-Anzeiger» perfektionierte. «Ich habe auch immer Liedtexte geschrieben», erzählte Martin Suter während seiner Vorstellung. Bekannt ist er für seine Lyrics für die Songs von Stephan Eicher, seinem Freund. Diese schreibt er in berndeutsch, alle andern Liedtexte in seiner Muttersprache, dem «Züritütsch», denn Martin Suter ist in Zürich geboren und aufgewachsen.

Alexa Ritter, Kunst- und Kulturbeauftragte des Grand Resort Bad Ragaz und Autor Martin Suter im angeregten Gespräch, dem die Gäste gerne folgten.
Alexa Ritter, Kunst- und Kulturbeauftragte des Grand Resort Bad Ragaz und Autor Martin Suter im angeregten Gespräch, dem die Gäste gerne folgten.

Gnadenlos liebevoll
Schreiben scheint für den charmanten Wortgewandten aus einem ganzen Kosmos an Textgattungen zu bestehen, an die er sich alle wagte im Laufe seines Lebens, die er perfektionierte und verinnerlichte. Die kleine wie die grosse Textform – Martin Suter beherrscht sie alle meisterlich. Seine Bücher sind lückenlos Bestseller. Seinen Figuren leuchtet er gnadenlos liebevoll in die Abgründe, um sie dabei nie blosszustellen, vielmehr klarzustellen. «Schon in meiner Zeit auf der Werbeagentur schrieb ich lustige Geschichten. Die kamen am besten an», verriet er der Redaktion in einem kurzen Gespräch nach der Lesung. Angesprochen auf grosse Verluste im Leben, die eine Persönlichkeit nachhaltig verändern könnten, antwortete er: «Auch nach Schicksalsschlägen darf man sich nicht genieren, wieder zum Lachen zurückzufinden.» Er selbst, der 2009 seinen Sohn durch einen Unfall verlor und vor drei Jahren Abschied nehmen musste von seiner Frau, habe dies für sich geschafft. Wie genau, das wisse er nicht. Doch er habe es geschafft. An die Stelle des Verlustes, in diese Lücke, komme etwas, das beständig bleibe. 

«Keine Hobelblockade» 
Der Erfolgsautor, stets gekleidet mit Anzug und massgeschneiderter Krawatte von einer italienischen Schneiderin, unterhielt das Publikum erst mit zwei Kurzgeschichten aus seinem neusten Buch «Können Sie mich sehen?», erschienen im Februar 2026 bei Diogenes, Untertitel «Die Business Class im Homeoffice». Dabei kam es zu einer szenischen Lesung mit der Kunst- und Kulturbeauftragten des Grand Resort Bad Ragaz, Alexa Ritter, welche die Dialoge der weiblichen Protagonisten las. Im Wechselspiel mit der Stimme des Autors erlebten die Zuhörenden die Kurztexte «Neues Ereignis» und «Schönfeld und das Homeoffice» hautnah vorgetragen. Dieses Buch habe er während der Coronazeit geschrieben, so der Autor. Bereits am 21. Oktober wird sein nächster Roman mit dem Title «Ein und Alles» bei Diogenes erscheinen. Dieser Roman erzählt einen geheimnisvollen Kriminalfall und enthält eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Mehr verriet der Autor nicht. Ausser, dass er in der Regel nur vier Monate für einen Roman benötige, um ihn zu schreiben, der Rest sei Recherche und Lektorat. Im angeregten Gespräch mit Alexa Ritter entlockte ihm diese viele Weisheiten, die er auf seine ganz eigene Weise auszudrücken vermochte. So resümierte er die viel zitierte Schreibblockade eines Autors: «Ein Schreiner kann auch keine Hobelblockade haben.» 

Martin Suter zeigte sich offen und unerwartet humorvoll auf die Fragen von Alexa Ritter und beantwortete die im Voraus schriftlich gestellten Fragen aus dem Publikum eingehend.
Martin Suter zeigte sich offen und unerwartet humorvoll auf die Fragen von Alexa Ritter und beantwortete die im Voraus schriftlich gestellten Fragen aus dem Publikum eingehend.

Das Wichtigste im Leben
Der schriftstellerische Output des heute 78-jährigen Autors ist phänomenal, seine Schaffenskraft ungebremst. So standen denn auch viele Suter-Fans in einer langen Schlange nach der Lesung an, wechselten ein paar Worte mit dem Autor, der für alle ein offenes Ohr hatte. Seine Assistentin machte derweil geduldig Fotos mit den ihr überreichten Smartphones, denn dem grossen Schriftsteller vom Diogenes Verlag begegnet man schliesslich nicht alle Tage persönlich. Martin Suter ist ein Erfolgsautor seit Jahren und wirkt in der persönlichen Begegnung gleichzeitig fast demütig zurückhaltend. Auch dies schafft er und leuchtet für seine weltweite Leserschaft schreibend weiter in die Abgründe des Allzumenschlichen einer ganzen Palette an Figuren, die nie seinem Freundeskreis entstammen, immer seiner Imagination, wie er zu verstehen gab. Warum er dieses unentwegt literarische Schaffensvirus wohl in sich trägt? Eine Antwort darauf dürfte diese Aussage von ihm vom Abend im Grand Resort Bad Ragaz sein: «Die Liebe ist so oder so das Wichtigste im Leben.» 

Textquelle: © HUTTER-MEDIENARBEIT Claudia Hutter, Fotos: © exclusiv

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