Alexa Ritter, Kunst- und Kulturbeauftragte des Grand Resort Bad Ragaz und Autor Martin Suter im angeregten Gespräch, dem die Gäste gerne folgten.
Gnadenlos liebevoll
Schreiben scheint für den charmanten Wortgewandten aus einem ganzen Kosmos an Textgattungen zu bestehen, an die er sich alle wagte im Laufe seines Lebens, die er perfektionierte und verinnerlichte. Die kleine wie die grosse Textform – Martin Suter beherrscht sie alle meisterlich. Seine Bücher sind lückenlos Bestseller. Seinen Figuren leuchtet er gnadenlos liebevoll in die Abgründe, um sie dabei nie blosszustellen, vielmehr klarzustellen. «Schon in meiner Zeit auf der Werbeagentur schrieb ich lustige Geschichten. Die kamen am besten an», verriet er der Redaktion in einem kurzen Gespräch nach der Lesung. Angesprochen auf grosse Verluste im Leben, die eine Persönlichkeit nachhaltig verändern könnten, antwortete er: «Auch nach Schicksalsschlägen darf man sich nicht genieren, wieder zum Lachen zurückzufinden.» Er selbst, der 2009 seinen Sohn durch einen Unfall verlor und vor drei Jahren Abschied nehmen musste von seiner Frau, habe dies für sich geschafft. Wie genau, das wisse er nicht. Doch er habe es geschafft. An die Stelle des Verlustes, in diese Lücke, komme etwas, das beständig bleibe.
«Keine Hobelblockade»
Der Erfolgsautor, stets gekleidet mit Anzug und massgeschneiderter Krawatte von einer italienischen Schneiderin, unterhielt das Publikum erst mit zwei Kurzgeschichten aus seinem neusten Buch «Können Sie mich sehen?», erschienen im Februar 2026 bei Diogenes, Untertitel «Die Business Class im Homeoffice». Dabei kam es zu einer szenischen Lesung mit der Kunst- und Kulturbeauftragten des Grand Resort Bad Ragaz, Alexa Ritter, welche die Dialoge der weiblichen Protagonisten las. Im Wechselspiel mit der Stimme des Autors erlebten die Zuhörenden die Kurztexte «Neues Ereignis» und «Schönfeld und das Homeoffice» hautnah vorgetragen. Dieses Buch habe er während der Coronazeit geschrieben, so der Autor. Bereits am 21. Oktober wird sein nächster Roman mit dem Title «Ein und Alles» bei Diogenes erscheinen. Dieser Roman erzählt einen geheimnisvollen Kriminalfall und enthält eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Mehr verriet der Autor nicht. Ausser, dass er in der Regel nur vier Monate für einen Roman benötige, um ihn zu schreiben, der Rest sei Recherche und Lektorat. Im angeregten Gespräch mit Alexa Ritter entlockte ihm diese viele Weisheiten, die er auf seine ganz eigene Weise auszudrücken vermochte. So resümierte er die viel zitierte Schreibblockade eines Autors: «Ein Schreiner kann auch keine Hobelblockade haben.»