Christian Lindner, ehemaliger deutscher Bundesfinanzminister
«Trends & Chancen am Finanzplatz»
Im anschliessenden Panel diskutierten Neue-Bank-CEO Roman Pfranger und First-Advisory-Partnerin Angelika Moosleithner die Entwicklung des Finanzplatzes Liechtenstein. Beide betonten die wachsende Bedeutung von Stabilität, Sicherheit und Vermögensdiversifikation in einem unsicheren globalen Umfeld.
Geopolitische Spannungen würden Liechtenstein dabei sogar stärken, da Kunden gezielt nach stabilen und diskreten Finanzplätzen suchten. Gleichzeitig stelle die zunehmende Regulierung die Branche vor wachsende Herausforderungen.
«Swiss Banking im Wandel»
Patrick Odier hob hervor, dass erfolgreiche Finanzplätze nur dann bestehen könnten, wenn sie Innovation und Regulierung in Balance halten. Der Finanzplatz Schweiz – und im Verbund Liechtenstein – habe hier langfristig gute Chancen, da er professionell, international und stabil ausgerichtet sei.
«Der Wettbewerb um die besten Talente»
Im zweiten Teil der Veranstaltung rückte der Faktor Mensch stärker in den Fokus. Georgine Roesle zeigte auf, wie sich Finanzinstitute im Wettbewerb um Talente erfolgreich behaupten können. Sie sprach über das breite Spektrum moderner Fachkräftesuche und die steigenden Anforderungen an Führung und Rekrutierung. Während des gesamten Prozesses sei heute eine sehr enge und kontinuierliche Kommunikation mit den Kandidatinnen und Kandidaten entscheidend. Auch Social-Media-Analysen und digitale Einblicke spielten dabei eine immer grössere Rolle.
Als Executive-Search-Beraterin bei Egon Zehnder begleitet sie Finanz- und Technologieunternehmen bei der Besetzung von Führungspositionen. Auf die Frage von Reto Lipp, welche Eigenschaft heute eine gute Führungspersönlichkeit unbedingt haben müsse, antwortete sie ohne Zögern: «positive Neugier». Auf eine weitere Frage des Moderators zum Thema Frauen in Führungspositionen – Frauen seien im Finanzsektor auf CEO-Ebene nach wie vor eher selten, weil … – entgegnete Georgine Roesle, darüber könne man wohl tatsächlich ein weiteres Gespräch führen, im Sinne eines separaten Talks.
«Krisen, Konflikte, Klarheit: Führen in unsicheren Zeiten»
Der ehemalige Schweizer Armeechef Thomas Süssli eröffnete sein Referat mit einem klaren und eindringlichen Satz: «Die Welt wird nicht mehr so sein, wie sie einmal war – und in dieser neuen Welt der Machtpolitik ist es keine gute Voraussetzung, gleichzeitig reich und schwach zu sein.»
Mit einem Blick zurück in die Geschichte führte er das Publikum in die Gegenwart einer «neuen Welt», die zunehmend von Multipolarität, also einer Welt mit mehreren Machtzentren und Abkehr von der bisher regelbasierten Ordnung.
China habe bereits in den 1990er-Jahren deutlich gemacht, dass es die bestehende Weltordnung nicht länger akzeptieren werde. Russland wiederum versuche, Einfluss über Abhängigkeiten zu schaffen. Dabei, so Süssli, gehe es weniger um klassische militärische Konflikte in Europa, sondern vielmehr um Angriffe auf die verwundbaren Stellen westlicher Demokratien und liberaler Gesellschaften.
Thomas Süssli betonte die Bedeutung von Klarheit und Entscheidungsstärke in Krisenzeiten. Liechtenstein und die Schweiz verfügten dabei über eine besondere Stärke: viel Soft Power, stabile Institutionen und eine starke Wirtschaft.
Besonders deutlich wurde er beim Thema Innovation: Geschwindigkeit erhöhen, Bürokratie abbauen und Technologien konsequent anwenden. Europa habe im Vergleich zu den USA zwar ein sehr hohes Bildungsniveau, nutze dieses Potenzial aber oft zu wenig konsequent.
Die USA investierten massiv in künstliche Intelligenz, Europa sei jedoch vor allem Anwender dieser Technologien – genau darin liege aber auch eine Chance. Produktivität könne durch intelligente Anwendung massiv steigen. Er sprach zudem über gezielte Abhängigkeiten als strategisches Mittel: Sie könnten – richtig eingesetzt – Stabilität und Sicherheit schaffen. Resilienz bedeute, potenzielle Angriffe zu erschweren, während Diversifikation und Partnerschaften die Souveränität stärken. Sein Referat schloss er mit einem persönlichen Bild: Jeden Morgen sehe er die Vespa seiner Tochter, auf der ein Aufkleber klebe: «Machen ist wie wollen – nur viel krasser.»
«Europa zwischen Wandel und Stabilität»
Abgeschlossen wurde das 12. Finance Forum Liechtenstein mit dem ehemaligen deutschen Finanzminister Christian Lindner.
Er betonte, wie sehr er seine Zeit in öffentlichen Ämtern geschätzt habe und mit Leidenschaft die dortigen politischen Auseinandersetzungen geführt habe – wie sie in einer Demokratie selbstverständlich seien. Gleichzeitig unterstrich er, dass alles seine Zeit habe und er sich nun auf neue Gestaltungsaufgaben im privaten Sektor freue.
Viele der Fähigkeiten, die er in der Politik entwickelt habe, seien auch im Management von grosser Bedeutung. Sein politisches Kapitel sei für ihn abgeschlossen; er wolle in seinen neuen Rollen wieder aktiv gestalten, Verantwortung übernehmen und Ergebnisse erzielen. Denjenigen, die weiterhin in öffentlichen Ämtern tätig sind, wünschte er dabei viel Erfolg und «Fortüne» bei ihren Aufgaben.
Im Gespräch beleuchtete er die Rolle Europas im globalen Umfeld und skizzierte die Chancen und Herausforderungen der kommenden Jahre. Ein geeintes und souverän auftretendes Europa, so seine Überzeugung, würde auch den Finanzplätzen Liechtenstein und Schweiz zugutekommen.
Zum Abschluss gab Christian Lindner einen persönlichen Ausblick auf seine Zukunft ausserhalb der Politik. Er werde künftig die Leitung des ostdeutschen Automobilunternehmens Autoland AG übernehmen. Dabei machte er deutlich, dass er nicht der Typ sei, der «sein Leben lang nur redet», sondern einer, der operativ wirken, gestalten und messbare Ergebnisse erzielen wolle – möglichst im unternehmerischen Umfeld und nicht im staatsnahen Bereich.
Gleichzeitig sehe er in dieser neuen Aufgabe eine grosse unternehmerische Perspektive mit Potenzial für weitere Entwicklung und Expansion.
Ausklang beim Networking-Apéro
Den Abschluss des 12. Finance Forum Liechtenstein bildete ein Networking-Apéro, der den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit bot, die diskutierten Themen in persönlicher Atmosphäre weiterzuführen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Netzwerke zu vertiefen.
In entspannter Umgebung klang ein intensiver Veranstaltungstag mit vielen Impulsen, Perspektiven und Begegnungen aus – ganz im Sinne des Forums als Plattform für Austausch, Dialog und Vernetzung.
Das Finance Forum Liechtenstein wird von der Regierung des Fürstentums
Liechtenstein getragen und von den wichtigsten Finanzverbänden des Landes sowie
Partnern aus der Privatwirtschaft unterstützt. Im Vorfeld der Tagung konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostenlos verschiedene Side-Events und Workshops besuchen, um aktuelle Themen wie Blockchain, Geopolitik, Künstliche Intelligenz und Regulierung zu diskutieren.
Text und Fotos © exclusiv