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Einer, der öfters Nein als Ja sagt und immer nach Erfolg strebt

Einer, der öfters Nein als Ja sagt und immer nach Erfolg strebt

Franz Hidber – äusserlich zur Ruhe kommt er auf der Gartenbank, innerlich sinniert er über seine nächsten Bau- und Entwicklungsprojekte nach. Diese sollen den Menschen über einen langen Zeitraum dienen. Foto: © Claudia Hutter
Franz Hidber – äusserlich zur Ruhe kommt er auf der Gartenbank, innerlich sinniert er über seine nächsten Bau- und Entwicklungsprojekte nach. Diese sollen den Menschen über einen langen Zeitraum dienen. Foto: © Claudia Hutter

Die Melser werden ein ganz klein wenig für ihr Verrucano, das Kultur- und Kongresshaus inmitten vom Dorf, beneidet. Warum? Die ländliche Gemeinde hat das Glück, zwei besondere Bürger eingetragen zu haben: Franz Hidber und Josef Ackermann. Ohne sie und ihre gleichnamige Stiftung gäbe es sehr viel weniger Kultur und Raum dafür im einstigen Bauerndorf. Franz Hidber erklärt, warum ihm heute die regionale Kulturförderung eine Herzensangelegenheit ist.

Quelle: Text © Claudia Hutter

Claudia Hutter im Gespräch mit Franz Hidber, Unternehmer, Investor und Kulturmäzen aus Bad Ragaz

Claudia Hutter im Gespräch mit Franz Hidber, Unternehmer, Investor und Kulturmäzen aus Bad Ragaz

Claudia Hutter: Herr Hidber, Sie sind mit Ihren 92 Jahren nach wie vor eine erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit, die sich nun vermehrt für die Förderung regionaler Kulturprojekte engagiert. Wie kam es dazu?

Franz Hidber: Ich erhalte viele Anfragen, fast täglich. Ich fördere aber nur Projekte, bei denen ich mitgestalten kann. Dieses Kriterium war mir immer wichtig. Alleine mit dem Finanziellen ist es nicht getan. Es braucht persönliches Engagement und Beratung. Seit ich pensioniert bin, habe ich wieder mehr Zeit, mich für die Kultur einzusetzen. Meine leider vor drei Jahren verstorbene Frau war Chorleiterin, eine meiner Töchter aus erster Ehe ist professionelle Querflötistin. (lacht) Für mich reichte mein Können damals als junger Mann nicht für ein Orchester mit meinem Klarinettenspiel. Mein Vater, der Primarlehrer in Mels war, warnte mich schon früh, dass ich damit kein Geld verdienen würde. Er hatte wohl Recht, ich hatte andere, bessere Fähigkeiten. Am Ende studierte ich nach meiner Ausbildung als Sekundarlehrer Betriebswirtschaft an der damaligen Handels-Hochschule St.Gallen, heute ist dies die Universität St.Gallen, und promivierte als Dr. oec. zum Thema Der Einfluss der Texturierung synthetischer Fasern auf die Einsatzmöglichkeiten im Bekleidungssektor.

Das hat ziemlich wenig zu tun mit dem, was Sie später in der Bau- und Immobilienbranche im In- und Ausland bewirkten. Warum so ein Thema?
Es lag an meinem Professor, der meinte, für dieses Dissertationsthema könne man einen Betrag vom Schweizerischen Nationalfonds anfordern. Ansonsten hätte ich nicht promoviert. Schon immer war es mir wichtig, streng genommen sogar eine Voraussetzung, dass ich am Ende verdiene, wenn ich etwas anstosse. So arbeitete ich gleich nach dem Studium bei der Heberlein Textil und schrieb gleichzeitig meine Dissertation. Diese war im Nu vergriffen, da sie einen innovativen Ansatz für die Textilwirtschaft aufzeigte.

Dann ging es Schritt um Schritt nach oben auf meiner Karriereleiter. Als ich 1975 meinen Arbeitgeber, das Textilunternehmen Sawaco, das aus der Strickerei Achtnich entstanden war, ins Ausland verkaufen sollte, hätte ich mich als Direktor gleich mitverkauft. Das aber wollte ich nicht. So machte ich kurzerhand einen Branchenwechsel und stieg beim Zürcher Bauunternehmen Heinrich Hatt-Haller als Kaufmännischer Direktor ein. Das Unternehmen war bereits gut aufgestellt, als ich einstieg. Ich blieb der Firma als Gesamtunternehmensleiter treu bis zur Überführung im Jahr 1988 in die Zschokke Holding SA in Genf. Im Frühjahr 2006 fusionierte Zschokke mit der Batigroup zur heutigen Implenia AG mit Sitz in Zürich. Ich habe entsprechend mit der Hatt-Haller damals ein international tätiges Bauunternehmen mit rund 1 000 Angestellten geführt, das heute längst in die Implenia AG integriert ist. Seit rund 25 Jahren setze ich mit der Hidber und Partner Consultants grössere Immobilienentwicklungsprojekte im In- und Ausland um. Derzeit bin ich unter anderem als Aktionär an einem Projekt mit Yachthafen für 800 Bootsplätze und 800 Wohnungen in Albanien beteiligt. 


In Albanien möchte sonst so schnell keiner investieren. Sind Sie grundsätzlich risikofreudig? 
Ich mache unternehmerisch nur etwas, wenn ich daran glaube. Meine über 40-jährige Erfahrung aus dem Ausland, darunter auch grosse städtebauliche Infrastrukturprojekte im Irak mit der sechsspurigen Autobahn von Bagdad bis hin zum Ausbau der Strasse von Hormus, haben mich gelehrt, ausdauernd und hartnäckig zu bleiben. Solche Investitionsvorhaben benötigen Zeit, bis sie greifen. Albanien wird sich entwickeln, davon bin ich überzeugt. 

Gibt es aktuell weitere Immobilien-Entwicklungsprojekte, die Sie beschäftigen? Zum Beispiel in der Region?
Ich war während 15 Jahren Verwaltungsratspräsident der Tardisland AG in Landquart, bis ich vor elf Jahren aus Altersgründen ausschied. Insgesamt geht es um die Entwicklung von 334'000 Quadratmetern Land  in der Nähe des Bahnhofs Landquart. Es ist eine absolute Erfolgsgeschichte, denn es konnten in den letzten Jahren diverse neue Unternehmen, darunter auch namhafte Grossunternehmen, angesiedelt werden. Das gesamte Projekt ist schuldenfrei. Es wurden bis heute rund 1'700 neue Arbeitsplätze geschaffen und 28 Millionen Franken Gewinn an die Standortgemeinden Landquart und Zizers ausgeschüttet. Das Outlet Landquart, das viele kennen dürften, umfasst nur etwa einen Viertel des Areals der Tardisland AG. 

Sie sind Bürger von Mels im Sarganserland. Hier wuchsen sie dereinst in einem noch kleinen Bauerndorf auf. Auch ihr Freund Josef Ackermann wuchs in Mels auf, wo er heute wieder wohnt. Sie haben zusammen mit ihm vor fünf Jahren die Stiftung Verrucano ins Leben gerufen, welche das gleichnamige Kultur- und Kongresshaus inmitten des Dorfes betreibt. Warum?
Der Löwen-Saal, der auch von der Gemeinde benutzt wurde, war jämmerlich veraltet, unbrauchbar für kulturelle Veranstaltungen. So wurde ich für eine finanzielle Unterstützung für den Ausbau des Gemeindesaal angefragt.

Doch das entsprach nicht meiner Vorstellung. Dafür hätte ich ehrlich gesagt keine fünf Rappen gegeben. Wir mussten in der Folge mehrere Hürden überwinden und Gutachten erstellen lassen, bis es zur Projektierung des heutigen Verrucano kam. Das Zentrum sollte allen dienen: der Gemeinde und den Vereinen als auch gleichzeitig Räume zur Verfügung stellen, die von externen Veranstaltern gebucht werden konnten. Nun bietet es mehrere Räume für jede Art von Anlass an, vom hochstehenden klassischen Konzert bis hin zu Vereinsanlässen, von Hauptversammlungen bis zur Melser Fasnacht und privaten Events wie etwa einer Hochzeit oder sonstigen Feiern. Auch die Bürgerversammlungen finden im Verrucano statt. Mir teilten unlängst Dirigenten aus der klassischen Musik mit, dass sie die Melser für diesen Ort mit seiner hochstehenden Raumakustik ein wenig beneideten. (lacht) Deshalb weiss ich, dass wir es richtig gemacht haben.

Was raten Sie andern Gemeinden und Städten, die keine so vermögenden und kulturbegeisterten Bürger wie Josef Ackermann und Franz Hidber haben, wie sie ihre kulturellen Institutionen und damit das kulturelle Gemeinschaftserleben grundsätzlich fördern könnten? 
Am besten bildet sich ein Kreativteam, das die Idee von Beginn weg mitträgt. Dann muss es zu einer Bedürfnisabklärung in der Gemeinde kommen. Daraufhin sollte ein Kulturkonzept ausgearbeitet und ein grober Businessplan erarbeitet werden. Dies erfolgt am besten in Begleitung von Fachleuten. Gleichzeitig ist es wichtig, sich die Rechtsform für das Kulturprojekt zu überlegen. Gemäss meiner Erfahrung ist es entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung, dass Immobilie und Betreibergesellschaft getrennt bleiben. Finanzierungsmöglichkeiten gibt es unterschiedliche, sicher können auch Stiftungen gegründet oder beigezogen werden. Der Betrieb Verrucano Mels wird von der Stiftung Verrucano Mels strategisch geführt. Ich bin einer der Stiftungsräte, Josef Ackermann ist Ehrenmitglied. Jeder von uns hat je 100'000 Franken Stiftungskapital in der Stiftung angelegt. Es ist vorgesehen, das Stiftungskapital noch zu erhöhen. Zudem präsidiere ich auch die Programmkommission, welche für die kulturelle Gestaltung des Gesamtprogramms zuständig ist. 

Sie blicken auf ein langes Leben zurück. Was ist Ihnen heute besonders wichtig?
An erster Stelle steht die Gesundheit. Doch die Voraussetzung dazu ist, eine innere Befriedigung zu spüren. Wenn ich ein Projekt hätte, das mich nur ärgerte, würde ich es nicht machen. Ich hatte wenig Ärger in meinem Leben, das wirkte sich wohl auch auf meine Gesundheit aus. Grundsätzlich blicke ich auf ein schönes Leben zurück. Wenn ich etwas anpackte in meinem Geschäftsleben, wollte ich am Ende ganz oben ankommen. Das liegt in meiner Natur. Wenn ich heute die Kultur und damit Kulturschaffende unterstütze, möchte ich, dass die Projekte zum Blühen gebracht werden. 

In Ihrem Wohnzimmer steht ein Flügel, an den Wänden hängen Kunstwerke. Wo steckt der Künstler in Ihnen? 
Die Kulturförderung liegt mir heute besonders am Herzen.

Ich fühle mich in der Verantwortung, denn mir geht es sehr gut. Heute kann ich zurückgeben, sei es in meiner Heimatgemeinde oder anderswo. Es geht nicht darum, dass immer alles gewinnbringend sein soll am Ende. Eine Kulturstätte wie das Verrucano aufzubauen ist befriedigend, auch wenn es einen längeren Atem braucht. Ich könnte mir vorstellen, auch noch eine weitere Kulturstätte zu initiieren. So hat mich die Freilicht-Aufführung der Verdi-Oper am Werdenbergersee im August begeistert. Da wurde vieles richtig gemacht im Voraus. Ich besuchte zusammen mit meinem Freund Joe Ackermann die Premiere. Bei so etwas könnte ich mir vorstellen, mitzuwirken, wenn eine konkrete Anfrage käme. Aber nur, wenn ich mitbestimmen kann. Das war schon immer so bei mir. Grundsätzlich habe ich in meinem Leben bei Anfragen öfters Nein gesagt als Ja. Die Ausnahmen jedoch will ich zu Erfolg bringen. (lacht) In die Ferien gehe ich so oder so nie. Ich habe also Zeit, mich meinen Projekten zu widmen. 

Ein Leben in Bewegung

Ein Leben in Bewegung

Franz Hidber ist am 20. August 1934 in Mels als ältestes von dreizehn Kindern geboren. Sein Vater war Primarlehrer, seine Mutter für Haushalt und Kinder zuständig. Seine Kindheit bezeichnet er als schön, aber «in bescheidenen Verhältnissen». Schon als Schüler war er Mitglied der örtlichen Musikgesellschaft Konkordia. Seine Matura machte er am Gymnaisum in Appenzell, danach besuchte er das Stella Maris in Rorschach, wo er das Lehramt mit dem Sekundarlehrer-Diplom abschloss.
Als Lehrer gab er Schule im st.gallischen Kirchberg und am Abendtechnikum in St.Gallen. Dies tat er auch während seines BWL-Studiums an der Handels-Hochschule St.Gallen, heute Universität St.Gallen, wo er zum Dr. oec. promovierte. Danach folgten Jahre als kaufmännischer Leiter und Direktor in der Textilbranche, bis er 1975 in die Baubranche umsattelte.

Mit der Zürcher Baufirma Heinrich Hatt-Haller setzte er als Gesamtleiter grössere Infrastrukturprojekte in der Schweiz um, so etwa die Mantelnutzung von Sportstadien mit Einkaufszentren. Im Ausland war er mit Hatt-Haller am Bau der sechsspurigen Autobahnumfahrt von Bagdad beteiligt wie auch an der Entwicklung des strategischen Verkehrs-Nadelöhrs Strasse von Hormus. Danach folgten weitere Jahre in Führungspositionen bei der Zschokke Holding Geneva und der Presto AG. 1995 gründete er die Hidber und Partner Consultants, welche grössere Immobilienentwicklungsprojekte umsetzt oder sich daran beteiligt. So entstand das Euroville in Basel unter seiner Federführung. Die Tardisland AG in Landquart präsidierte er währned 15 Jahren. Sie verfolgt erfolgreich die Standortentwicklung mit der Ansiedlung diverser Gewerbe- und Industriebetriebe in den Bündner Gemeinden Landquart und Zizers. Ein weiteres Immobilienprojekt mit Restauration einer historischen Villa und Neubauwohnungen zur Vermietung ist derzeit in Chur an bevorzugter Lage geplant. Franz Hidber wohnt in Bad Ragaz und ist ein langjähriger Freund von Josef Ackermann (78), ehemals Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, der ebenfalls in der St.Galler Oberländer Gemeinde Mels aufwuchs. Beide verbindet ihre Liebe zu Kunst und Kultur und ihr Engagement dafür. 

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