Hühnerhaut mit Verdi vom 7. bis 22. August am Werdenbergersee
Bald schon findet in Werdenberg ein kulturelles Grossereignis statt. Präsident der Werdenberger Schloss-Festspiele ist Beni Dürr. Ein Gespräch mit dem Hobby-Jazzmusiker, der auf den Geschmack der Oper kam.
Interview und Text: © Claudia Hutter
Herr Dürr, Sie sind seit 2024 Präsident der Werdenberger Schloss-Festspiele, einer Genossenschaft, welche das kulturelle Leben in der Region mitprägt. Läuft alles nach Plan mit den Vorbereitungen zur Verdi-Oper «Un ballo in maschera»?
Ja, das ist so. Ich freue mich darüber, wie es aktuell läuft. Im Februar hatte ich noch einen Durchhänger, da uns der Chorleiter und einige Sängerinnen und Sänger unverhofft verliessen. Nun sind wir in allen Bereichen wie Sponsoring, Ticketvorverkauf als auch künstlerischer Vorbereitung gut unterwegs. Ich besuche die Chorproben regelmässig und freue mich an den Fortschritten, denn Choreograph, Regie und künstlerische Leitung arbeiten eng zusammen. Nun beginnen auch die Proben mit den Solisten, wir kommen in die intensivste Phase der Vorbereitungen.
Seit Sie vor zwei Jahren das Präsidium übernahmen, sind die Ansprüche gestiegen. Was hat der Festspiel-Besucher auf der Tribüne davon?
In Unternehmen gilt der Grundsatz, sich ständig verbessern zu wollen. Mit der neu strukturierten Organisation im Hintergrund ist es unser Ziel, den Künstlerinnen und Künstlern einen Rahmen zu bieten, damit diese in der Lage sind, Höchstleistungen abzurufen. Dazu haben wir uns professioneller aufgestellt. Das Publikum darf sich in diesem Jahr auf eine Opernaufführung von höchster Qualität freuen – sowohl was die Bühneninszenierung als auch die Gesangsqualität betrifft. Die Solistinnen und Solisten sind talentiert und begeistert. Sie sind sich gewohnt, auch auf grossen Bühnen zu stehen.
Kommen bei einem Besuch der Werdenberger Verdi-Oper auch jene Gäste auf die Rechnung, die noch nie in einem Opernhaus waren?
Davon bin ich überzeugt. Gänsehaut-Momente werden auch Nicht-Opern-Fans erleben. Ich war früher selbst kein Operngänger. Mit diesem Musikgenre befasste ich mich erst näher, als unsere jüngste Tochter klassischen Operngesang studierte. Die Werdenberger Schloss-Festspiele bieten mit den Aufführungen im August einen idealen Rahmen, sich mit diesem Genre live auseinanderzusetzen. Und das alles bei bezahlbaren Ticketpreisen. Dazu muss kein Opernhaus in einer grossen Stadt angefahren und betreten werden. Wir bringen Verdi auf die Bühne vor historischem Hintergrund mitten in unserer Region. Dabei setzen wir den Fokus auf den Grundsatz - eine Oper vom Land fürs Land. Wenn unser Publikum die Verdi-Oper erlebt und gleichzeitig auch noch erfühlen kann an diesem einzigartigen Ort mit seiner mystischen Atmosphäre am Abend, dann haben wir als Veranstalter unser Ziel erreicht.
Doch Sie hätten dabei gerne zehn ausverkaufte Vorstellungen?
Ja, das ist so. Es geht dabei nicht nur um die Wirtschaftlichkeit, sondern um die Wertschätzung der künstlerischen Leistung. Künstler sind motivierter, wenn die Zuschauerreihen voll sind. Und es geht auch um die Zukunft. Denn die Verwaltung ist ebenfalls motivierter, weitere Opern zu produzieren. Unsere Region hat ein grosses Potential. Wir können mit den Werdenberger Schloss-Festspielen zu einem Wirtschaftstreiber werden und die Region noch stärker bekanntmachen. Mein Ziel wäre, die Opern am Werdenbergersee nicht nur zu einem kulturellen, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Leuchtturm zu entwickeln.