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Eröffnung der Sonderausstellung «Noble Begierden» im Gartenpalais Wien

Eröffnung der Sonderausstellung «Noble Begierden» im Gartenpalais Wien

(v.l.) Direktor Stephan Koja (Direktor Fürstliche Sammlungen Liechtenstein), S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Yvonne Wagner (Chefkuratorin Fürstliche Sammlungen Liechtenstein), Christian Huemer (Leiter Research Center Belvedere) Foto © Fürstliche Sammlungen / Jonas Thiller
(v.l.) Direktor Stephan Koja (Direktor Fürstliche Sammlungen Liechtenstein), S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Yvonne Wagner (Chefkuratorin Fürstliche Sammlungen Liechtenstein), Christian Huemer (Leiter Research Center Belvedere) Foto © Fürstliche Sammlungen / Jonas Thiller

NOBLE BEGIERDEN - Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts

Mit der Sonderausstellung «NOBLE BEGIERDEN – Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts» eröffnen die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein im Gartenpalais in Wien ein ebenso vielschichtiges wie hochaktuelles Kapitel der europäischen Kulturgeschichte. Die Ausstellung ist ab heute für das Publikum zugänglich und läuft vom 30. Januar bis 6. April 2026 – bei freiem Eintritt.

Gestern Abend wurde die fünfte Sonderausstellung im Gartenpalais Liechtenstein feierlich eröffnet. S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein und Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein, begrüssten über 500 geladene Gäste sowie zahlreiche Pressevertreterinnen und Pressevertreter zur Vernissage in Wien.

Kunstmarkt als Motor der Kunstgeschichte

Kuratiert wurde die Ausstellung von Stephan Koja, Christian Huemer (Leitung Belvedere Research Center) und Yvonne Wagner, Chefkuratorin der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein. Im Zentrum steht eine grundlegende Fragestellung: Welche Rolle spielte – und spielt – der Kunstmarkt für die Entstehung, Bewertung und Überlieferung von Kunst?

In seiner Eröffnungsrede betonte Erbprinz Alois die besondere Verantwortung der Fürstlichen Sammlungen als über Jahrhunderte gewachsene Institution. Die Sammlungsgeschichte sei nicht nur Ausdruck von Kontinuität, sondern auch eine wertvolle Quelle für das Verständnis kultureller Entwicklungen in Europa. «So zeugen Kunstwerke und Architektur von dem sich im Lauf der Zeit wandelnden Geschmack sowie den Vorstellungen einzelner Sammlerpersönlichkeiten und ihrer Repräsentation.», erklärte er und unterstrich die Bedeutung der Ausstellung für die Wertschätzung des gemeinsamen kulturellen Erbes Europas.

(v.l.) Direktor Stephan Koja (Direktor Fürstliche Sammlungen Liechtenstein), S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Foto © Fürstliche Sammlungen / Jonas Thiller
(v.l.) Direktor Stephan Koja (Direktor Fürstliche Sammlungen Liechtenstein), S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Foto © Fürstliche Sammlungen / Jonas Thiller

Ein neuer Blick auf bekannte Werke

Direktor Stephan Koja hob hervor, dass der Kunstmarkt lange Zeit unterschätzt worden sei. Dabei seien es gerade Händler, Auktionatoren und Sammler gewesen, die den Ruf von Künstlern prägten und massgeblich beeinflussten, welche Werke erhalten blieben oder in Vergessenheit gerieten. Die Ausstellung – ebenso wie der begleitende Katalog – verstehe sich daher als Standardwerk, das Kunstgeschichte und Kunstmarkt konsequent zusammendenkt.
 
Auch Christian Huemer, der sich seit Jahrzehnten mit Kunstmarktforschung beschäftigt, sprach von einem besonderen Moment. Erstmals werde eine zusammenhängende Geschichte des europäischen Kunstmarkts in Form einer Ausstellung erzählt. Die wissenschaftliche Grundlage bilde eine datenbasierte Forschung, die grosse historische Quellenbestände auswertet und neue Zusammenhänge sichtbar macht – übersetzt in eine anschauliche, werkbasierte Erzählung.

Dialog, Forschung und internationale Leihgaben

Für Yvonne Wagner war die Arbeit an Noble Begierden ein besonders inspirierender Prozess. Der intensive Austausch mit internationalen Wissenschaftler:innen habe es ermöglicht, aus dem komplexen Thema Kunstmarkt eine vielschichtige Ausstellung zu entwickeln. Dieser Dialog spiegle sich auch in den hochkarätigen internationalen Leihgaben wider, die das Publikum im Gartenpalais erwarten.

Informationen zur Ausstellung
NOBLE BEGIERDEN – Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts
Gartenpalais Liechtenstein, Wien
30. Januar bis 6. April 2026
Täglich von 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei

Im Rahmen der Sonderausstellung werden Führungen angeboten.
Weitere Informationen unter www.liechtensteincollections.at

Quelle: LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna, Fürstliche Sammlungen Art Service GmbH, 1090 Wien, Nina Auinger-Sutterlüty, MAS, Leitung Kommunikation

Der Kunstmarkt mit seinen Persönlichkeiten, Institutionen und Mechanismen fasziniert seit jeher. NOBLE BEGIERDEN – Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts (30. Januar bis 6. April 2026) rückt im Gartenpalais Liechtenstein erstmals die zugrunde liegenden Dynamiken ins Zentrum einer bahnbrechenden Ausstellung. Über 200 Exponate machen die Sonderausstellung zu einem historischen wie visuellen Erlebnis: Neben Hauptwerken aus den Fürstlichen Sammlungen, darunter Giambologna, Brueghel, Van Dyck und Canaletto, erwarten die Besucherinnen und Besucher prominente Leihgaben internationaler Sammlungen – von Tizian über Rembrandt und Monet bis hin zu Klimt.

Die Fürstlichen Sammlungen stehen mit ihrer 400-jährigen Geschichte in einer langen Tradition des generationenübergreifenden Sammelns. Dafür war und ist eine aktive Ankaufstätigkeit unumgänglich. Neuerwerbungen formten – damals wie heute – das Erscheinungsbild der Galerien. So prägten nicht nur die persönlichen Vorlieben der verschiedenen Fürsten, sondern auch der Kunstmarkt mit wechselnden Verkaufsstrategien, Trends setzenden Akteuren sowie ökonomischen Aspekten die Kunstsammlung.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die Sonderausstellung der Fürstlichen Sammlungen der faszinierenden Geschichte des europäischen Kunstmarkts. Die Schau beleuchtet den Kunsthandel von der griechisch-römischen Antike über die italienischen Stadtstaaten der Renaissance und das «Goldene Zeitalter» der Niederlande bis hin zu sensationsheischenden Präsentationen und transatlantischen Verkäufen im 19. Jahrhundert.

Schlaglichtartig befasst sie sich mit Strukturen, Innovationszentren, prägenden Persönlichkeiten und Vermarktungsmethoden. Dabei wird deutlich, dass viele Phänomene des heutigen Kunstmarkts im Grunde jahrtausendealt sind und nichts an Aktualität verloren haben. Auktionen kannte schon das Römische Kaiserreich. Kunstmessen zogen bereits im Antwerpen des 16. Jahrhunderts ein internationales Publikum an und die ersten Werkskataloge Alter Meister wurden von Kunsthändlern im 18. Jahrhundert verfasst.

Da richtungsweisende Entwicklungen oft von Städten und Regionen ausgingen, widmet die Sonderausstellung diesen Innovationszentren eigene Räume, in denen die Fortschritte und neuartigen Praktiken veranschaulicht werden. Auf diese Weise wird nachvollziehbar, wie der Handel nicht nur die Verbreitung von Werken, sondern auch die Entwicklung der Künste und die Kunstgeschichtsschreibung geprägt hat. Die in Europa frühsten bekannten Kunstsammlungen sowie ein reger Handel mit Kunst sind bereits aus dem hellenistischen Griechenland überliefert. In römischer Zeit waren wohlhabende Bürger Roms besonders daran interessiert, Werke der griechischen Kunst zu erwerben. Während der Renaissance wurde die Kunstproduktion in Florenz durch öffentliche Aufträge und einflussreiche Mäzene vorangetrieben. Neri di Bicci fertigte je nach Zahlungskraft des Kunden Altargemälde in verschiedenen Grössen und unterschiedlich aufwendiger Ausführung. Gleichzeitig schufen Künstler Terrakottareliefs und kleine Andachtsbilder für den privaten Gebrauch, die dank serieller Produktion und effizienter Werkstattorganisation deutlich günstiger waren.

Die Medici liessen sich von Giambologna in Reiterstandbildern verewigen und nutzten seine unter Sammlern in ganz Europa begehrten Kleinbronzen als diplomatische und politische Geschenke.

Im Antwerpen des 16. Jahrhunderts entstand ein freier Markt, für den eine Fülle von Werken geschaffen und einem breiteren Publikum in der Schilderspand (Malergalerie) angeboten wurden. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts handelten Kaufmannsfamilien mit Kunstwerken erstmals auf globaler Ebene. In dieser Zeit spezialisierten sich Künstler besonders in Amsterdam auch auf bestimmte Genres, was zeit- und kostensparend war und der Mittelschicht den Erwerb von Kunst ermöglichte. Dennoch blieben Porträts von Rembrandt van Rijn und Anthonis van Dyck oder Blumenstillleben von Rachel Ruysch wohlhabenden Personen vorbehalten. Die Kunstkammer des Cornelius von der Geest aus dem Rubenshuis zeigt den erfolgreichen Gewürzhändler inmitten seiner umfangreichen Kunstsammlung. Das «Goldene Zeitalter» in den Niederlanden führte zu einem beispiellosen Aufschwung der Kunstproduktion.

Die Professionalisierung des Handels und des Auktionswesens in Paris und London markierte einen weiteren Schritt in der Entwicklung des Kunstmarkts. James Christie begründete das Auktionshaus Christie’s, das heute mit spektakulären Verkäufen und Rekordpreisen Schlagzeilen macht. Im Zuge der Französischen Revolution kam es zu einem Aufbegehren gegen die Académie royale de peinture et de sculpture, die das Monopol auf Geschmack und Produktion beanspruchte. Im Verlauf des folgenden Jahrhunderts setzten sich manche Händler für alternative Ausstellungsmöglichkeiten ein, konkurrierten mit dem Pariser Salon und unterstützten marginalisierte Künstler wie Jean-Baptiste Camille Corot, Henri Rousseau, Gustave Courbet und Charles-François Daubigny. Sie wurden zu wichtigen Vermittlern, die neue Geschmäcker prägten und den aufkeimenden Kunstmarkt in den USA förderten.

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist Claude Monets Gemälde Getreidestapel, Sonne im Nebel aus dem Art Institute in Minneapolis. Es ist gemeinsam mit drei weiteren Meisterwerken des Künstlers in der Ausstellung vertreten. Monets Konzept der Serie markierte einen Wendepunkt in der Kunst der Moderne, und die Verbindung von künstlerischer Autonomie mit kommerzieller Strategie trug dazu bei, das Selbstverständnis des modernen Künstlers neu zu definieren.

In Wien wiederum führte die Secession um die Jahrhundertwende innovative Verkaufsstrategien ein und präsentierte sich mit eleganten Ausstellungen, die sich deutlich von den akademischen Stilen und dissonanten Darstellungen abhoben, die kurz vor der Weltausstellung glorifiziert worden waren. In bewusster Abgrenzung zum Künstlerhaus propagierte sie künstlerische Autonomie und ästhetische Erneuerung. Marktferne wurde zu einem zentralen Ideal und zu einem wirkmächtigen kulturellen Versprechen. Diese Haltung ging mit neuen Formen der Selbstinszenierung einher. Als herausragendes Beispiel für den programmatischen Anspruch der Secession ist in der Ausstellung Gustav Klimts Nuda Veritas zu sehen.

Quelle: LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna, Fürstliche Sammlungen Art Service GmbH, 1090 Wien, Nina Auinger-Sutterlüty, MAS, Leitung Kommunikation

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