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Werden die Armen ärmer, weil die Reichen reicher werden?

Werden die Armen ärmer, weil die Reichen reicher werden?

S.D. Prinz Philipp von und zu Liechtenstein (Stiftungsrat ECAEF), Andres R. Benito (Erstplatzierter), Valeria R. Sanchez (Co-Drittplatzierte), V. Czyrnik (Zweitplatzierter), S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein (Präsident ECAEF) – der Co-Drittplatzierte A. Olanrewaju fehlt auf dem Foto
S.D. Prinz Philipp von und zu Liechtenstein (Stiftungsrat ECAEF), Andres R. Benito (Erstplatzierter), Valeria R. Sanchez (Co-Drittplatzierte), V. Czyrnik (Zweitplatzierter), S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein (Präsident ECAEF) – der Co-Drittplatzierte A. Olanrewaju fehlt auf dem Foto

Mit dieser provokanten Frage beschäftigten sich die Gewinner des 18. Vernon Smith Prize. Der liberale Think Tank European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) zeichnete Essays aus Deutschland, Nigeria, Peru und Spanien aus. Die Preisträger reisten nach Vaduz und stellten ihre Arbeiten im Rathaus Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft vor.

Immer wieder ziehen unterschiedliche Gruppierungen für ihre Zwecke Studien und Berichte heran, die auf alarmierende Art und Weise Zahlen und vermeintliche Fakten präsentieren, um das Arm-Reich-Narrativ zu untermauern. Oxfams jährlicher Bericht über soziale Ungleichheit ist ein solches Beispiel. Er suggeriert, dass die Reichen auf Kosten der Armen reicher werden beziehungsweise die Armen deshalb arm sind, weil die Reichen reicher werden. Die Fehlüberlegung liegt darin, dass der Gewinn des einen zwingend den Verlust eines anderen nach sich ziehen muss. Also ein Nullsummenspiel, das voraussetzt, dass der zu verteilende wirtschaftliche Kuchen immer gleich gross bleibt oder schrumpft. In dieser Vorstellung stehen sich Gewinner und Verlierer gegenüber und der Kapitalismus wird zum Sündenbock gemacht.

Michael Esfeld, Professor der Philosophie der Universität Lausanne, moderierte die Preisverleihung und hielt gleich zu Beginn fest, dass es ein Leichtes sei, den Kapitalismus für diese Entwicklung verantwortlich zu machen, dies aber grundlegend falsch sei. Der Kapitalismus sei nicht die Ursache für Ungleichheit. Er mache zwar einige Reiche reicher, aber nicht die Armen ärmer. Vielmehr verbessere der Kapitalismus die Lebensbedingungen der Armen, weil er die Produktivität steigere, so Esfeld. Im Kapitalismus gehe es nicht um Umverteilung eines gegebenen Ganzen, sondern darum, Neues und Besseres zu schaffen, mit positiven Effekten auf die gesellschaftliche Wohlstandsentwicklung. 

S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein, Stiftungsratspräsident des ECAEFs, ergänzte diese Ausführungen und verwies darauf, dass es gerade der freien Marktwirtschaft zuzusprechen sei, dass der Anteil von Menschen in extremer Armut weltweit massiv zurückgegangen und der allgemeine Lebensstandard sich in einem historisch einmaligen Ausmass verbessert habe. Deshalb sei auch der stetige Ruf nach Umverteilung kritisch zu hinterfragen und Diskussionen dazu sollten sachlicher geführt werden. Mit dem jährlich stattfindenden Vernon Smith Prize Essaywettbewerb biete das ECAEF diese Möglichkeit. 

Die Gewinner des achtzehnten Vernon Smith Prize wurden von S.D. Prinz Philipp von und zu Liechtenstein ausgezeichnet und geehrt:

  • Andres Ruiz Benito (Spanien) sicherte sich den ersten Platz mit einem Preisgeld von EUR 4’000
  • Vincent Czyrnik (Deutschland) überzeugte mit seinem Essay für den zweiten Platz mit einem Preisgeld von EUR 3’000
  • Valeria Lucia Rios Sánchez (Peru) und Abdul-Wasiu Abdul-Ganiyy Olanrewaju (Nigeria) qualifizierten sich beide für den dritten Platz ex-aequo mit je einem Preisgeld von EUR 2’000

Andres Ruiz Benito, Erstplatzierter, nutzte Spaniens Rentensystem und Wohnungsmarkt als Beispiel, um die Folgen staatlicher Umverteilung und Regulierung aufzuzeigen und die Fragestellung zu erörtern. Er stellte die entrichteten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge den geschätzten öffentlichen Leistungen pro Altersgruppe gegenüber. Dann zeigte er auf, dass ältere Bürger die grössten Nettoempfänger des Staates sind. Gleichzeitig veranschaulichte er, wie das Vermögen mit zunehmendem Alter stark ansteigt, insbesondere durch Immobilienbesitz. Er schlussfolgerte, dass die jüngeren Bürger im erwerbsfähigen Alter mit ihren Abgaben an den Staat die relativ vermögenderen Rentner finanzieren würden. Gleichzeitig fliesse, aufgrund einer politisch bedingten Wohnungsknappheit, zusätzlich Vermögen von den jüngeren Mietern an die älteren Eigentümer. Abschliessend erklärte er, warum staatliche Umverteilungsprogramme nicht nur ungerecht, sondern angesichts der Dynamik alternder Demokratien auch schwer zu reformieren sind. Er schloss mit den Worten: «Ich vermute, dass die meisten Befürworter des freien Marktes die dem Vernon Smith Prize zugrunde liegende Frage schnell als schlichtweg falsch abgetan hätten. Der Vernon Smith Prize bot jedoch die Gelegenheit, auch die Bedeutung hervorzuheben, solche Fragen aus einer anderen Perspektive zu analysieren.»

Vincent Czyrnik, Zweitplatzierter, stützte sich in seinem Essay auf den bekannten Silvestersketch «Dinner for One», um zu untersuchen, warum die weitverbreiteten Annahmen über gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hartnäckig vertreten werden, obschon sich der Anstieg der Lebensstandards sowohl von Reichen als auch von Armen über die vergangenen Jahrzehnte belegen lässt. Indem er die Lebensbedingungen der Sketch-Protagonisten um 1920 mit denen ihrer Nachkommen verglich, zeigte er auf, dass das Realeinkommen über die gesamte Einkommensverteilung gestiegen ist, die Ungleichheit jedoch nur moderat zugenommen hat. Warum dieser Fortschritt regelmässig übersehen wird, erklärte er mit Hayeks Unterscheidung zwischen dem Mikrokosmos der Moral in kleinen Gruppen und dem Makrokosmos der erweiterten Ordnung. Er führte aus: «Die Fragestellung war reizvoll. Schon im Jugendalter habe ich mich mit der Gerechtigkeitsfrage und der Kluft zwischen Arm und Reich befasst. Anfangs setzt man sich Umverteilungsideen auseinander, später stösst man auf andere Perspektiven und beginnt dann, allgemein bekannte Positionen kritisch zu hinterfragen.»

Abdul-Wasiu Abdul-Ganiyy Olanrewaju, Drittplatzierter (Co-Platzierung), wurde per Videobotschaft zugeschaltet. In seinem Essay argumentierte er, dass Armut dort zunimmt, wo politische Privilegien, Rent-Seeking und Korruption Produktivität untergräbt. Dabei hielt er fest: «Die eigentliche Kluft besteht nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Gesellschaften, die Wohlstand zulassen und fördern, und Gesellschaften, die Wohlstand unterdrücken. Der Vernon Smith Prize ermöglichte mir, diese Frage gründlich zu recherchieren und meine eigene, auf Fakten basierende Perspektive in eine Debatte einzubringen, die allzu oft emotional denn analytisch geführt wird.»

Valeria Lucia Rios Sánchez, Drittplatzierte (Co-Platzierung), widerlegte in ihrem Essay den Irrtum, dass die Reichen auf Kosten der Armen immer reicher werden, mit Beiträgen von Hayek, Kirzner und Mises. Sie zeigte auf, dass Reichtum in freien Märkten kein Nullsummenspiel ist, sondern ansteigt, und wies die Vorstellung zurück, dass der reiche Unternehmer durch die Ausbeutung der Armen reich wird. Sie fasste zusammen: «Ein Land kann prosperieren, wenn es auf Rechtsstaatlichkeit basiert. Institutionen und ein starkes Rahmenwerk aus Eigentumsrechten, Rechtssicherheit und wirtschaftlicher Freiheit sind wichtig, damit Einzelpersonen, sich koordinieren, investieren, innovativ sein und letztendlich nachhaltiges Wachstum generieren können. Die Auseinandersetzung mit dem Thema des Vernon Smith Prize hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass Wohlstand kein Zufallsprodukt ist, sondern von soliden institutionellen Grundlagen abhängt.»

Andres Ruiz Benito bei der Präsentation seines Essays im Rathaus Vaduz

Über ECAEF und Vernon Smith Prize

Über ECAEF und Vernon Smith Prize

European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) ist ein liberaler Think Tank mit Sitz in Vaduz/Liechtenstein. ECAEF begrüsst die Tradition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und fördert durch verschiedene Aktivitäten das Verständnis dieser sozioökonomischen Theorie. ECAEF steht für Eigenverantwortung, freie Marktwirtschaft und ein sinnvolles Mass an staatlichen Aktivitäten und möchte die Öffentlichkeit zur positiv-kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen gesellschaftsrelevanten Themen bewegen. ECAEFs Ziel ist, alternative Lösungsmöglichkeiten für Probleme unserer Zeit aufzuzeigen. 

Der Vernon-Smith-Prize ist nach Vernon L. Smith, Professor am Economic Science Institute der Chapman University in Orange, Kalifornien (USA), benannt. Smith war gemeinsam mit D. Kahneman der Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 2002. Smith gilt weltweit als der Begründer der Behavioral Finance und Experimental Economics. Er ist einer der führenden Vertreter der 6. Generation der Austrian School of Economics. Smith arbeitet im Gremium des internationalen akademischen Beirates am ECAEF mit und steht den Ideen des Think Tanks sehr nahe. Der Vernon Smith Prize ist ein Wettbewerb für junge Studierende und wird für Arbeiten vergeben, die im wissenschaftlichen Ansatz der Österreichischen Schule der Nationalökonomie verfasst werden. 

Quelle: Text: Mag. (FH) Susanna Gopp Head Organizing Committee Vernon Smith Prize Award Ceremony /exclusiv, Fotos: © exclusiv

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