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Neue Wege zur Messung der Verbreitung des Coronavirus in Liechtenstein


(v.l.) Begrüssung und Einleitung, Regierungsrat Dr. Mauro Pedrazzini, Ministerium für Gesellschaft; Vorstellung der Studie zur Früherkennung von Covid-19, Prof. Dr. med. Lorenz Risch, Initiant und Co-Leiter der COVI-GAPP-Studie; Möglichkeiten von Big Data und Medical Devices zur Pandemie-Bekämpfung Lea von Bidder, Co-Gründerin des Digital Health Unternehmens Ava; Dr. Maureen Cronin, Chef Medical Officer

Vaduz, 15. April 2020 - Bei Personen mit Symptomen werden weiterhin Proben in der Testanlage in der Marktplatzgarage in Vaduz entnommen. Neu werden zudem Mitarbeitende der Alters- und Pflegeheime sowie der Familienhilfe periodisch getestet. Zusätzliche Erkenntnisse erhofft sich die Regierung von Messungen im Abwasser und einem Pilotprojekt mit sensorischen Armbändern.

Bislang wurden insgesamt nach wie vor 80 Personen, die in Liechtenstein wohnhaft sind, positiv auf COVID-19 getestet. Die Regierung setzt weiterhin alles daran, um eine Ausbreitung des Coronavirus so gut wie möglich zu verlangsamen und damit eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.

Tests von Personen mit Symptomen

Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung, wie Husten, Halsschmerzen oder Kurzatmigkeit, Personen die Fieber von mindestens 38°C aufweisen sowie Personen die ihren Geruchs- oder Geschmackssinn plötzlich verloren haben, sollen sich weiterhin bei der Hotline unter der Telefonnummer +423 235 45 32 melden. Wenn die Symptomatik auf COVID-19 hindeutet, fordern die Ärzte, welche die Hotline betreuen, die Anrufer zum Test auf. Seit der vorletzten Woche finden die Probenentnahmen für Labortests in einer Drive Through-Anlage in der Marktplatzgarage in Vaduz statt. Ab Donnerstag, 16. April 2020, werden die Öffnungszeiten der Anlage angepasst. Die Anlage ist ab dann täglich von 15:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Es werden nur Personen getestet, die zuvor die Hotline kontaktiert haben.

Massnahmen zur Früherkennung

Die Anzahl der Anrufe bei der Hotline und die Anzahl Tests sind in den letzten Tagen stark zurückgegangen. Das Infektionsgeschehen in Liechtenstein kann als milde beurteilt werden, ist aber nicht ganz zum Erliegen gekommen, wie die gelegentlichen positiven Testresultate zeigen. Anfang nächster Woche will die Regierung erste Beschlüsse zum schrittweisen Abbau der ergriffenen Massnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus treffen. Derzeit wird an Begleitmassnahmen gearbeitet, welche auch bei der Aufhebung von Massnahmen die Übertragung möglichst verhindern sollen. Zudem sollen Frühwarnsysteme eingerichtet werden, welche ein erneutes Aufflammen von Infektionen anzeigen. Derzeit sind drei diesbezügliche Massnahmen in Umsetzung: Regelmässige und systematische Tests an Personen in der Alterspflege, Untersuchung von Abwasser und eine wissenschaftliche Studie unter Einsatz eines sensorischen Armbands.

Tests von Mitarbeitenden der Alters- und Pflegeheimen sowie der Familienhilfe

Ältere Menschen sind vom Coronavirus stärker gefährdet, da bei ihnen bei einer Infektion ein schwerer Verlauf der Krankheit zu erwarten ist. Die Mitarbeitenden der Liechtensteinischen Alter- und Krankenhilfe (LAK), der Lebenshilfe Balzers sowie der Familienhilfe werden daher zukünftig periodisch auf das Virus getestet, auch wenn sie keine Symptome aufweisen. Mit dieser Massnahme möchte die Regierung die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung von Personen, die Dienstleistungen der Alters- und Pflegeheime sowie der Familienhilfe in Anspruch nehmen, weiter reduzieren. Aufgrund der langen Inkubationszeit und der Tatsache, dass das Virus erst ein bis zwei Tage vor den Symptomen nachgewiesen werden kann, bedeutet ein negatives Testergebnis nicht, dass eine Person nicht angesteckt ist. Daher sind alle anderen in der Alterspflege getroffenen Massnahmen weiterhin aufrechtzuerhalten. Diese Testreihen sind in einem statistischen Sinn zu verstehen und dienen als Frühwarnsystem.

Früherkennung durch Abwasser-Proben

In Untersuchungen in den Niederlanden wurden inaktive Bestandteile des Coronavirus im Abwasser nachgewiesen. In Zusammenarbeit mit dem Labormedizinischen Zentrum Dr. Risch werden daher seit dieser Woche Proben in der Abwasserreinigungsanlage in Bendern entnommen. Diese Proben können möglicherweise als Indikatoren für die frühe Erkennung einer Verbreitung des Virus dienen. Die Forschung an diesem Gegenstand steht noch ganz am Anfang, dennoch soll diese Möglichkeit für Liechtenstein evaluiert werden.



Wissenschaftliche Studie mit sensorischen Armbändern

Ein wissenschaftliches Konsortium unter der Leitung von Lorenz Risch und Martin Risch startet dieser Tage eine wissenschaftliche Studie im Wettlauf gegen das Coronavirus. Die Studie soll klären, ob mit einem sensorischen Armband, das bereits erfolgreich für die Beobachtung des weiblichen Zyklus eingesetzt wird, die Früherkennung einer Covid-19-Infektion möglich ist. Als Studienteilnehmer werden in einer ersten Phase die Teilnehmer einer bestehenden Langzeitstudie zu Herz-Kreislauferkrankungen eingeladen, später sollen auch Freiwillige aus der liechtensteinischen Bevölkerung zur Teilnahme zugelassen werden. Eine Früherkennung ermöglicht eine rasche Isolation und eine gezielte Versorgung der
Patientinnen und Patienten. Sie schützt zudem das Gesundheitspersonal und schont die begrenzten Ressourcen des Gesundheitssystems. Finanziert wird die Studie hauptsächlich durch das Fürstenhaus und die Liechtensteinische Regierung. In den nächsten Tagen werden die rund 2'000 Probandinnen und Probanden der bestehenden GAPP-Studie angeschrieben. Erste Ergebnisse sind im Herbst zu erwarten. Die Studie ist fertig konzipiert, durch den Ethikrat geprüft und freigegeben und die Armbänder sind bereits vorhanden, so dass sofort mit der Arbeit begonnen werden kann. Das Zustandekommen dieser Studie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie in diesen Krisenzeiten durch rasche und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen vielen Beteiligten Massnahmen in ungewöhnlich kurzer Zeit in Gang gebracht werden können. Die Regierung bedankt sich bei allen Beteiligten für ihr herausragendes Engagement.

Hotlines zum Thema Coronavirus

Aktuelle Informationen unter www.regierung.li/coronavirus

Landesspital: Medizinische Notfälle T +423 235 44 11 - ganze Woche; 24 Std.

Ärztenotruf: Medizinische Notfälle T +423 230 30 30 - ganze Woche; 24 Std.

Hotline COVID-19-Tests T +423 235 45 32 - ganze Woche; 24 Std.

Amt für Gesundheit: Fragen rund um das neue Corona-Virus und gesundheitsbezogene Massnahmen der Regierung T +423 236 73 46 - Montag-Freitag; Bürozeiten

Hotline Coronavirus: nicht medizinische Fragen T+423 236 76 82 - Montag-Freitag; Bürozeiten

Amt für Volkswirtschaft: Kurzarbeitsentschädigung, Unterstützung für Einzel- und Kleinstunternehmen sowie Betriebskostenzuschuss T +423 236 69 43 - Montag-Freitag; Bürozeiten

Schulamt: Fragen rund um die Schul- und Kindergartenschliessung und den Fernunterricht T +423 236 70 40 - Montag-Freitag; Bürozeiten

Kriseninterventionsteam KIT T +423 230 05 06 - ganze Woche; 24 Std.

Corona-Hilfen der Gemeinden: Lebensmitteleinkauf und Botengänge T +423 340 11 11 - Montag-Freitag; Bürozeiten

Was ist ein Verdachtsfall?
- Symptome einer akuten Atemwegserkrankung (z.B. Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit)
und/oder
- Fieber von mindestens 38°C

und/oder
- plötzlicher Verlust von Geruchs- / Geschmackssinn

Was ist bei einem Verdachtsfall zu tun?

Bleiben Sie zu Hause. Gehen Sie nicht mehr in die Öffentlichkeit. Melden Sie sich bei der Hotline: +423 235 45 32. Begeben Sie sich nicht in eine Arztpraxis, wenn Sie nicht dazu aufgefordert werden.

Ministerium für Gesellschaft Manuel Frick, Generalsekretär
Quellenangabe: Information und Kommunikation der Regierung, Vaduz.
Fotos: IKR - Roland Korner