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Das «Dschungel-Kind» und der Internet-Kapitalismus


Das «Dschungel-Kind»
und der Internet-Kapitalismus

Elf Jahre lang lebte Daniel Mettler,
Geschäftsführer der Internetagentur 2sic, mit den ärmsten Menschen der Welt.
Er ist sich sicher, dass Liberalismus
und Kapitalismus notwendig sind,
um diesen Menschen zu helfen.

Daniel Mettler wuchs als Missionarskind in Indonesien auf (exclusiv Ausgabe 110) und gründete vier Jahre nach seiner Ankunft in der Schweiz die Firma 2sic. Ein Interview von Silvia Abderhalden. Daniel, warst du schon immer ein Kapitalist? Nein, im Gegenteil. Während meiner Ausbildung war ich gegen den Kapitalismus. Bei der Firmengründung war ich so idealistisch, dass wir unsere Arbeit praktisch verschenkten. Die Kunden waren super zufrieden, aber 2sic ging fast unter. Wann kam die Wende? Nach drei Jahren wurde der interne Leidensdruck sehr gross. Ich musste feststellen, dass wir die Kunden nur gut bedienen können, wenn es unserer Firma auch gut geht. Diese banale Erkenntnis zwang mich, andere Methoden zur Umsetzung meiner tiefsten Überzeugungen zu suchen. Ohne diesen Wechsel gäbe es die 2sic nicht mehr. Aber du bist im Elend aufgewachsen und bist jetzt Kapitalist. Hast du zwei Herzen in einer Brust? Nein, ganz sicher nicht (lacht)! In Indonesien gibt es einen Brauch: Wer etwas besitzt, muss es mit allen teilen. Was nach verteiltem Wohlstand klingt, ist in Wirklichkeit verteilte Armut, da jeglicher Erfolgsanreiz verschwindet. Langfristige Lösungen brauchen ein Anreizsystem, damit immer jemand das Problem lösen will - am besten die Betroffenen selbst. Genau dieses Anreizsystem bietet der Kapitalismus. Solche Anreizsysteme braucht es in der Entwicklungshilfe, darum gefällt mir beispielsweise das Äthiopien-Projekt von Karlheinz Böhm so gut (Menschen für Menschen). Du sprichst von Kapitalismus, als ob es nur ein Werkzeug wäre! Das ist es auch. Mit diesem und anderen Werkzeugen wie beispielsweise Liberalismus kann ich viele Probleme lösen. Diese Werkzeuge sind bei weitem nicht perfekt und manchmal gänzlich ungeeignet. Aber sie sind heute das Beste was wir haben. Dann bist du doch kein Kapitalist... Unser Firmenmotto heisst «To Serve the Internet Community» (2sic), was übersetzt heisst, der Internetgemeinschaft zu dienen. Diese Grundüberzeugung setzen wir mit den jeweils besten Instrumenten um. Heute gehören Demokratie, Liberalismus, Kapitalismus und Globalisierung dazu, morgen gibt es hoffentlich weitere Möglichkeiten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

INTERVIEW MIT DANIEL METTLER, WWW.2SIC.COM