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Liechtensteinisches Landesmuseum

Global Happiness: Was brauchen wir zum Glücklichsein?

Die Helvetas-Ausstellung «GLOBAL HAPPINESS: Was brauchen wir zum Glücklichsein?»
stellt Glücksgeschichten und -konzepte aus aller Welt vor und zeigt, was Glück mit Nachhaltigkeit zu tun hat.

(v.l.) Prof. Dr. Rainer Vollkommer, Direktor Liechtensteinisches Landesmuseum; Peter Ritter, CEO LED; Regierungsrätin Dr. Katrin Eggenberger; Nadja R. Buser, Kuratorin Helvetas

Der Liechtensteinische Entwicklungsdienst (LED) brachte die multimediale Ausstellung ins Liechtensteinische Landesmuseum und ergänzte sie um die Sonderausstellung «solidarisch – weil Liechtenstein das Wohl aller am Herzen liegt». Im Interview mit Peter Ritter, CEO LED und Nadja R. Buser, Kuratorin Helvetas, haben wir mehr über die Ausstellung und ihre Hintergründen erfahren.

Interview mit Peter Ritter

exclusiv: Was verbindet diese beiden Ausstellungen und was verbindet die beiden Organisationen?
Peter Ritter: Der Liechtensteinische Entwicklungsdienst (LED) und Helvetas Swiss Intercorporation sind langjährige Partnerorganisationen in der Entwicklungszusammenarbeit und beide engagieren sich für eine gerechte Welt, in der alle Menschen selbstbestimmt in Würde und Sicherheit leben, die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen und der Umwelt Sorge tragen. Wir führen gemeinsame Projekte im Bereich der ländlichen Entwicklung und Bildung in Mosambik und Westafrika durch. Wir sind auch verbunden durch die Sensibilisierungsarbeit in unserer Heimat. Es ist wichtiger denn je, dass die Menschen verstehen, dass wir die globalen Herausforderungen nur meistern, wenn viele Menschen in allen Teilen der Welt sich dafür einsetzen.
Das gemeinsame Engagement durch die laufenden Ausstellungen basiert auf der Agenda 2030 der UNO mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen. Die Ausrottung von Hunger und Armut auf dieser Welt gehören genauso zu diesen Zielen, wie die Transformation unseres globalen Lebenswandels hin zu einer Lebensart, welche das Wohlsein der Menschen, den globalen Frieden und Wohlstand sowie die Grenzen unseres Planeten umfasst und eine zukunftsfähige Welt schafft. Dies wird in den Ausstellungen durch die positive Begegnung mit dem Glücklichsein und der Solidarität erlebbar.

Die Sonderausstellung trägt den Titel «solidarisch – weil Liechtenstein das Wohl aller am Herzen liegt». Was dürfen die Besucher der Sonderausstellung erwarten?
Liechtenstein engagiert sich vielseitig. Die Sonderausstellung präsentiert die Wirkung der drei wesentlichen Säulen der Solidarität Liechtensteins auf die benachteiligten Menschen in den Ländern des globalen Südens. Das Engagement der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und der öffentlichen Hand. Besuchen Sie die Ausstellungen und erleben Sie Glück und Solidarität!

Ihre persönliche Sicht auf die Ausstellung?
Der Besuch der Ausstellungen lohnt sich sehr. Es wird für die Besuchenden ein beglückender Eindruck werden. Glücklichsein kann man lernen! Solidarität zu leben ist ein möglicher Weg. Die globalen Herausforderungen erfordern das Engagement von uns allen. Zum Glück!

Die Ausstellung wird von verschiedenen Veranstaltungen begleitet, ist sie auch eine Empfehlung für Schüler/innen?
Ab September findet ein reichhaltiges und sehr interessantes Rahmenprogramm statt. Informieren Sie sich. Für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschulen finden dann auch  stufengerechte und interaktive Erkundungen nach Glück und einem nachhaltigen Lebensstil statt.

Interview mit Nadja R. Buser

exclusiv: Können Sie uns etwas zur Entstehungsgeschichte und zum Konzept der Ausstellung Global Happiness erzählen?
Nadja R. Buser: Als wir ein Thema suchten, wussten wir, dass uns das Engagement für eine nachhaltige Welt wichtig ist. Und wir wollten etwas nehmen, das alle Menschen global verbindet. Gleichzeitig spürt man weltweit eine Resignation, weil viele denken, am aktuellen Zustand der Welt nichts ändern zu können. Das stimmt aber nicht. So haben wir uns fürs Glück entschieden, das positiv ist und alle inspiriert. Wir treffen damit den Nerv der Zeit, das spüren wir täglich.

Helvetas ist eine unabhängige Schweizer Entwicklungsorganisation und leistet Hilfe zur Selbsthilfe in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Globale Solidarität und Glück, hat das für Sie eine starke Verbindung?
Ja, sehr - Glück kann nie ein Egotrip sein. Globale Solidarität besteht darin, dass wir als Weltgemeinschaft zum Wohlbefinden aller beitragen. Bei uns fällt zum Beispiel aufgrund des Imports von Produkten 70% der Umweltverschmutzung im Ausland an; häufig dort, wo Umweltgesetze weniger streng sind. Das muss man bedenken. Viele der heutigen komplexen Herausforderungen sind nicht im Alleingang zu bewältigen, und so ist es mit dem Glück.

Was passiert, wenn man sich mit den verschiedenen Glückskonzepten auseinandersetzt? Bekommt Glück einen anderen Wert?
Ja, schon. Für viele unseres Teams hat sich der Glücksbegriff erweitert. Und obwohl man es weiss, haben mich die Erkenntnisse der Geld-Glücks-Forschung beeindruckt: Wie schnell Geld keinen Einfluss mehr auf die eigene Zufriedenheit hat und andere Faktoren wie Hilfsbereitschaft, Freunde, Freude und anderes wichtig wird. Es ist gut, sich dies immer wieder vor Augen zu halten.

Wieviel Glück muss man haben um glücklich zu sein?
Das hängt von den eigenen Vorstellungen ab. Die Urarina in Peru haben ein Wort für Glück, das im Wesentlichen «es passiert nie etwas» bedeutet. Vielleicht könnten wir uns das in unserer hektischen Welt, in der es schwierig ist, zur Ruhe zu kommen, zu Herzen nehmen. Vielleicht würden wir dann besser spüren, was Glück für uns bedeutet?

Was ist bei den Besuchern der Ausstellung besonders beliebt, welche Rückmeldungen erhalten Sie?
Glück ist ein persönliches Thema, das alle anspricht und niemanden kalt lässt. Das ist der grosse Vorteil dieses Ausstellungsthemas. Besonders beliebt ist sicher die Fotostation. Und vor kurzem hat mir jemand geschrieben: «Fazit nach dem Besuch: Ich bin glücklicher herausgekommen, als ich hineingegangen bin.» Was will man mehr?

Glücklich sein und machen
«There is no way to happiness – happiness is the way.» sagt Thich Nhat Hanh. Und kann sich ein 94-jähriger buddhistischer Mönch in dieser Frage irren? Vielleicht ein ganz kleines bisschen. Denn in Liechtenstein gibt es aktuell einen Weg zur Happiness. Er startet dort wo Sie gerade sind und endet im Liechtensteinischen Landesmuseum. «Global Happiness» lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Landesmuseum. Und nach dem Betreten der Ausstellung wird schnell klar, dass Hanh in unterschiedlichsten Auslegungen seines Zitates Recht hat. Es wird keine «Instant Happiness» geboten, sondern die Frage gestellt: Was braucht es, um glücklich zu sein und wie verfolgen die Menschen auf der ganzen Welt dieses Ziel?
Mit dieser Fragestellung erreicht die Ausstellung eine unerwartete Aktualität, denn die Massnahmen rund um Covid-19 haben wohl alle zum Nachdenken angeregt. Selbstverständliches, wie Freunde treffen, ins Theater oder Kino gehen, gemeinsam feiern oder auch trauern, war plötzlich nicht mehr möglich. Vermeintlich wichtige Themen rückten in den Hintergrund. Und plötzlich sahen wir uns – den boomenden Streamingdiensten zum Trotz – zu einem guten Teil auf unsere eigene Kreativität, auf das, was wir selbst am Herd zu zaubern in der Lage waren oder auf die Natur in unserer Umgebung zurückgeworfen. Damit schliesst sich der Kreis zu Thich Nhat Hanh: Das Glück liegt viel mehr in der Einstellung, wie wir Herausforderungen anpacken, als im Resultat, das wir erreichen – zumal sich das Resultat auch gerne mal unserer direkten Kontrolle entzieht.

Und immer wieder können wir auch zum Glück anderer beitragen – jeder in seinem Umfeld, aber auch Liechtenstein als Land mit etwas grösserer Reichweite. Genau das ist Thema der Ausstellung. Sie zeigt, was das private und das öffentliche Engagement Liechtensteins in der Welt bewegt. Denn als Gemeinschaft zeigen wir immer wieder, dass wir Herausforderungen mit tragfähigen Lösungen begegnen, die weit über unseren Tellerrand hinaus wirken.
                                                                
Regierungsrätin Dr. Katrin Eggenberger

Die Ausstellung «Global Happiness: Was brauchen wir zum Glücklichsein?» dauert bis Sonntag, 28.02.2021.
Mehr Informationen zur Ausstellung und den
Begleitveranstaltungen unter: www.landesmuseum.li

fotos: © roland korner / sven beham / exclusiv + text: © exclusiv