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Fürstentum Liechtenstein

S.D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein im Interview

mit Silvia Abderhalden, Magazin exclusiv

Durchlaucht, im Frühling dieses Jahres erschien im   van Eck Verlag, Triesen, die englische Version Ihrer Biografie «Hans-Adam II Prince of Liechtenstein». Der Autor des Buches ist David Beattie, er war von 1992 - 1997 britischer Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein.

Wie entstand die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und David Beattie und wie entwickelte sich die Idee zu einer Biografie?
S.D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein: Traditionell hatte meine Familie immer schon gute und enge Beziehungen zu Grossbritannien und zu den USA. In der Zeit, als David Beattie Botschafter für Liechtenstein war, haben wir uns angefreundet. David Beattie hatte bereits 2003 ein sehr erfolgreiches Buch über die Geschichte Liechtensteins geschrieben, das vom van Eck Verlag herausgegeben wurde. Als der van Eck Verlag zu meinem 75. Geburtstag eine Biographie über mich herausgeben wollte, war es daher naheliegend, dass er David Beattie damit betraut hat. David Beattie hatte mit einer Reihe von Leuten Interviews geführt und mir das Manuskript gegeben, das ich mit kleinen Anmerkungen als gut befunden habe.
Zum Buch findet man folgende Beschreibung: «Monarch, Geschäftsmann, Bankier, Kunstsammler, Visionär und  Kontroversist: Hans-Adam II. Fürst von Liechtenstein ist all dies. Als er 75 Jahre alt wird und das Fürstentum, das seinen Familiennamen trägt, sein 300-jähriges Bestehen feiert, kann S.D. Fürst Hans-Adam II. auf eine aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurück- und mit unverminderter Energie in die Zukunft blicken.»
Finden sich Themen im Buch, die in der Öffentlichkeit so bis jetzt noch nicht bekannt waren?
Soviel ich weiss, nein, aber ich habe natürlich auch nicht einen sehr guten Überblick darüber, was in der Öffentlichkeit bekannt ist und was nicht.

Jeder Mensch hat einen Hintergrund, aus welchem sich die Familiengeschichte ergibt. Das Fürstenhaus von Liechtenstein hat eine jahrhundertealte Geschichte mit sehr beeindruckenden Vorfahren. Welche Personen, Ereignisse oder Familientraditionen aus Ihrer Familiengeschichte haben Sie besonders geprägt?
Im Grunde genommen keine, ich stand ja vor einer völlig neuen Situation. Mein Vater war ja bereits mit einer neuen Situation konfrontiert. Indem er 1938 den Wohnsitz nach  Liechtenstein verlegt hat und die Verwaltung des fürstlichen Vermögens seinen Brüdern und anderen Verwandten über-geben hat, war das ein Bruch mit der Vergangenheit. Es kam hinzu, dass in der Tschechoslowakei 1945 über 80 Prozent des Familienvermögens rechtswidrig entzogen wurde. Meine Eltern haben mir schon sehr früh gesagt, dass ich Wirtschaft und Recht studieren muss. Wirtschaft, um das Familienvermögen neu aufzubauen und Recht, weil mein Vater gefunden hat, dass es doch sehr hilfreich wäre, wenn man als Staatsoberhaupt auch eine juristische Ausbildung hat. Er hat auf Anraten seiner Eltern Forstwirtschaft studiert, was aus damaliger Sicht sicher sinnvoll war, da der grösste Teil des Fürstlichen Vermögens aus forstlichen Flächen bestand. Die Brüder meines Vaters haben teilweise Forst- und Landwirtschaft studiert, mit der Idee, dass sie meinem Vater bei der Verwaltung des Fürstlichen Vermögens helfen können. Die Versuche meines Vaters und der anderen Verwandten, das Fürstliche Vermögen neu aufzubauen, waren leider nicht erfolgreich und haben nur noch zu weiteren Verlusten geführt. Es musste immer wieder Kunst- und Grundbesitz verkauft werden, und diese Erlebnisse haben mich schon sehr geprägt.

Prägend für mich war auch mein Praktikum im amerikanischen Senat bei Senator Pell 1963. Er war Mitglied der aussenpolitischen Kommission des Senates und hat mir sehr nahegelegt, dass Liechtenstein versuchen sollte, Mitglied der UNO zu werden. Bekanntlich hatte Liechtenstein nach dem Ersten Weltkrieg versucht, Mitglied des Völkerbundes zu werden und nur die Schweiz hat für uns gestimmt. Bei der UNO zeichnete sich eine Bewegung ab, dass man Staaten, die kleiner sind als Luxemburg nicht als Vollmitglied aufnehmen würde, was für uns aussenpolitisch natürlich sehr nachteilig gewesen wäre. Luxemburg war nach dem Zweiten Weltkrieg Gründungsmitglied der UNO. Senator Pell und ich waren uns einig, dass Liechtenstein unbedingt versuchen sollte, Mitglied der UNO zu werden, auch wegen der sich abzeichneten europäischen Integration. Senator Pell hat mir dann einen Besuch im Weissen Haus organisiert bei Präsident Kennedy und beim amerikanischen UNO-Botschafter Adlai Stevenson, der Präsidentschaftskandidat war, aber soweit ich mich erinnern kann, in den Vorwahlen gegen Präsident Kennedy verloren hatte. Ein weiterer, sehr interessanter Besuch damals war für mich das Treffen mit Allen Dulles, dem Chef der CIA und seinem Stellvertreter Frank Wisner.

Wie haben Sie es geschafft, «Würde» und «Bürde» so gut in der Balance zu halten?
Ob ich Würde und Bürde in Balance gehalten habe, kann ich nicht beurteilen, das müssen andere machen. Ich stand immer wieder vor Problemen, die ich zu lösen hatte. Zuerst die Reorganisation und der Wiederaufbau des Fürstlichen Vermögens, dann die aussenpolitischen Reformen mit UNO-Mitgliedschaft und EWR, die Verfassungsreform, verbunden mit einer Stärkung der Demokratie, und eine Reform des Gerichtswesens. Die Reform des Gerichtswesens war nicht nur aus innensondern auch als aussenpolitischen Gründen wichtig. Verfahren vor Gericht sind teilweise Jahre oder Jahrzehnte liegen geblieben, was uns neben den innenpolitischen Problemen auch noch aussenpolitische Probleme bereitet hat und zwar im

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